Aufsatz 
Der Geschichtsunterricht in Mädchenschulen / von C. O. Schäfer
Entstehung
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2. Die Frage nach der Methode im engeren Sinne, nach dem im Geſchichtsunterrichte bei Mädchen einzuſchlagenden rechten Lehrwege iſt wie die hauptſächlichſte, ſo auch die ſchwierigſte. In⸗ dem wir im Folgenden die Grundſätze unſeres Lehrverfahrens zu entwickeln und zu begründen ver⸗ ſuchen, hegen wir die beſcheidene Zuverſicht, wenigſtens ein, wenn auch geringes Scherflein zur Löſung oder Erleichterung der Schwierigkeiten beizutragen.

Vor allem wird ein richtiges Lehrverfahren darauf ausgehen müſſen, jene Wirkungen, die wir uns oben von dem geſchichtlichen Unterrichte verſprachen, auch wirklich hervorzurufen. Insbe⸗ ſondere gilt es bei den Mädchen das unbedingt zur Erreichung des Zieles nöthige Intereſſe an der Geſchichte zu wecken und rege zu erhalten. Freilich wird man uns da einwenden, das iſt eine ſchwer zu controllirende Sache; wie ſoll man das anfangen, wie ſoll man dieſe im Inneren ſich vollziehende Thätigkeit erkennen? Allerdings iſt es nicht leicht; und gerade je mehr Intereſſe an dem Gegenſtande der Unterrichtende ſelbſt in ſich trägt, um ſo ſchwerer wied es für ihn ſein, da man gar leicht die in der eigenen Bruſt flammende Begeiſterung in ſeinen Zuhörern leuchten zu ſehen glaubt. Darum gilt es, ſich vor Ueberſchätzung des bei den Schülern vorhandenen Intereſſes zu hüten, damit man nicht plötzlich aus dem Irrthume unangenehm geweckt werde. Indeſſen wird es doch theils durch ruhige Beobachtung, theils an der Aufmerkſamkeit und an der Art und Weiſe der Antworten zu er⸗ kennen ſein, ob die Schülerinnen den Gegenſtand mit Intereſſe begleiten oder nicht. Soll aber das Intereſſe in rechter Weiſe wach gehalten werden, ſo gehört dazu außer einer angemeſſenen Auswahl des Stoffes, die ſchon viel dazu beitragen kann, doch auch noch manches andere, worauf beim Unter⸗ richte zu achten iſt. Wir wollen jetzt nicht von den Rückſichten reden, die überhaupt der Unterricht bei Mädchen auf die Naturanlagen und Neigungen, und zwar auf die Vorzüge ſowohl als auf die Schwächen und Fehler derſelben zu nehmen hat; wir wollen nur hervorheben, daß der Geſchichts⸗ unterricht beſonders den Sinn und die Richtung der weiblichen Natur auf das Einzelne und Kleine, auf das menſchlich Nahe und Individuelle in's Auge zu faſſen, zu pflegen und zum Theile wohl auch zu erweitern hat.

Zur Sache ſelbſt übergehend fragen wir, was von dem Unterrichtenden bezüglich des Lehrgeſchäftes und was von den Kindern bezüglich des Lernens verlangt werden muß, um ſo⸗ wohl das rechte Verſtändniß der hauptſächlichſten hiſtoriſchen Begebenheiten, als auch eine annehmbare mündliche Darſtellung von Seiten der letzteren zu erzielen.

Für den Lehrer liegt die Schwierigkeit der rechten Behandlung dieſes Gegenſtandes nicht bloß in der richtigen Auswahl des zu Lehrenden; dieſe wird ihm wohl in den meiſten Fällen durch ein Lehrbuch erleichtert; viel größere Schwierigkeiten bereitet die zu lehrende Jugend. Denn wenn man nun auch ausgewählt und beſtimmt hat, was die Schülerinnen zu verſtehen im Stande ſind und was über ihre Kräfte geht, ſo iſt zum eigentlichen Lehrgeſchäfte wieder eine Menge ver⸗ ſchiedener Eigenſchaften nöthig, die ſich nicht leicht vereinigt finden mögen. Bedarf überhaupt jeder Unterricht der Klarheit und Gründlichkeit, des Ernſtes und der Treue, der Lebendigkeit und Sorgfalt, der Sparſamkeit und Stufenmäßigkeit: ſo macht der Geſchichtsunterricht im Beſonderen An⸗ ſprüche auf alle dieſe Eigenſchaften und verlangt dazu noch ſtrenge Wahrhaftigkeit, Beſcheidenheit des Tones und möglichſtes Sichanſchließen an das Leben. Und damit bei alledem auch bei der genaueſten Bekanntſchaft mit der Materie die Anwendung jener Eigenſchaften ermöglicht werde, ſind noch eine Reihe anderer Fähigkeiten nöthig, als ſelbſt das tüchtigſte hiſtoriſche Wiſſen allein ſie bietet. Verlangt