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muß ſich vielmehr die ſchwere Aufgabe ſtellen, den Mädchen eine ſolche Luſt an ihren Lehrgegenſtänden einzuflößen, daß ſie ihr ganzes Leben an der Erweiterung und Ergänzung ihrer Geiſtesausbildung und Kenntniſſe Freude haben müſſen und den Trieb in ſich tragen, ſpäter ſich ſelbſt damit weiter zu beſchäftigen. Zu dieſem Zwecke aber müſſen ſie in der Schule lernen, alle ihre geiſtigen Kräfte, auch die gerne umherſchweifende Phantaſie, auch das leicht oberflächliche Urtheil auf einen Gegenſtand ernſt und gründlich zu richten. Im Geſchichtsunterrichte insbeſondere kann hierfür viel gethan werden, indem wenige Gegenſtände ſo ſehr wie die Geſchichte zu ſpäterer Weiterbeſchäftigung anregen, ja nöthigen. Es kommt alſo dabei weniger darauf an, vieles Wiſſen zu erzielen, als Geſchmack an Kenntniſſen zu erwecken.
Vom gebildeten Manne verlangt man allerdings ein tieferes Eingedrungenſein in den ge⸗ ſchichtlichen Stoff und Bekanntſchaft mit den Hauptreſultaten der Geſchichtsforſchung. Ein Mädchen dagegen wird auch ohne eine Menge von Kenntniſſen, die man dem Manne nicht erläßt, den Namen eines gebildeten behaupten können, wenn das Wiſſen nur unter einem gewiſſen Grade nicht zurückbleibt. Bei den Mädchen iſt doch das im Leben die Hauptſache, daß die Gediegenheit ihrer Kenntniſſe ver⸗ einigt ſei mit der Liebenswürdigkeit ihres ganzen Weſens, mit einer harmoniſchen, allgemeinen Bildung.„Ein chronologiſcher Verſtoß z. B. wird“, wie K. von Raumer trefſend bemerkt,„ein beſcheidenes und anſpruchsloſes Mädchen weniger verunzieren, als es der leiſeſte Anſchein von Ein⸗ bildung auf hiſtoriſche Gelehrſamkeit thun würde.“
Aus dem eben Geſagten ergeben ſich folgende Winke für die Beantwortung der Frage, welche Stoffe beim Geſchichtsunterrichte in Mädchenſchulen gänzlich oder theilweiſe auszuſchließen ſein werden.
Außerdem daß, wie wir ſchon oben bemerkten, die vaterländiſche Geſchichte in den Vorder⸗ grund geſtellt und daher manches aus der allgemeinen Völker⸗ und Ländergeſchichte, was zum Ver⸗ ſtändniſſe der deutſchen Geſchichte nicht nothwendig iſt, weggelaſſen werden muß, wird man nament⸗ lich auf eine eingehende Darſtellung der politiſchen Verhältniſſe, auf ausführliche Kriegsge⸗ ſchichten und Details von Schlachten und Heereseinrichtungen u. dergl. verzichten müſſen. Eine Stoffauswahl, die z. B. aus der römiſchen Geſchichte etwa die Entwicklung der Staatsverfaſſung, oder aus der Univerſalgeſchichte chronologiſche Ueberſichten, verwickelte diplomatiſche Fragen, lange Ge⸗ dächtnißarbeiten von ganzen Regententafeln und alten Kriegen geben, oder die, wie K. v. Raumer als ſelbſterlebtes abſchreckendes Beiſpiel anführt, den verſchiedenen Charakter der drei Hauptperioden des peloponneſiſchen Krieges geſchildert haben wollte, wäre jedenfalls höchſt verkehrt und zweckwidrig.
Einige Schwierigkeit bereitet für die obere Stufe die Frage, wie weit man der Zeit nach mit den Mädchen zu gehen habe, ob die Ereigniſſe der neueſten Zeit auch einen Gegenſtand der Darſtellung abgeben dürfen, oder ob dieſelben und von welchem Zeitpunkte an auszuſchließen ſeien. Daß man darüber im Zweifel und verſchiedener Meinung iſt, zeigt ein Blick in die verſchiedenen Lehrbücher der Geſchichte. Viele ſchließen mit dem folgenſchweren Jahre des Wiener Congreſſes von 1815; andere gehen weiter und nehmen noch die Revolutionsgeſchichte der Jahre 1830 und 1848 bis zur Thronbeſteigung Napoleon's III. hinzu,(ſo auch das bei uns eingeführte„Lehrbuch der Welt⸗ geſchichte für höhere Töchterſchulen“ von Profeſſor H. Caſſian,) andere halten ſogar für den beſten Abſchluß den Prager Frieden von 1866. Wie ſollen wir uns zu dieſer Frage ſtellen? Folgen wir


