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lich verlangen wollen. Bei dem bedeutenden Materiale iſt daher von vornherein auf vollſtändige Umfaſſung desſelben bei dem Jugendunterrichte zu verzichten. Uebrigens verſchwindet dieſer Fehler meiſt bei längerer Praxis von ſelbſt, indem man durch dieſelbe zu der Einſicht gelangen wird, daß bei ſolchem Unterrichte doch am Ende nichts als eine Zuſammenſtellung geſchichtlicher Notizen heraus⸗ kommt und für eine lebendige Ausführung keine Zeit übrig bleibt, ſo daß man denſelben alles andere, nur nicht Geſchichtsunterricht nennen kann.
Aehnlich verhält es ſich mit derjenigen Behandlungsweiſe des Geſchichtsunterrichtes, welche theils durch Zuweitgehen hinſichtlich des Endabſchluſſes, theils durch Einflechten von Anſpielungen auf die Jetztzeit ein gewiß allzufrühes Intereſſe am Treiben der Gegenwart hervorruft und durch beſtändiges Vergleichen, Tadeln und Prophezeien den Unterrichtszweck verfehlt. Auch dieſer Fehler wird ſich wohl bei Mädchen bald von ſelbſt verbieten, indem man hierfür ſelbſt bei älteren ſchwerlich andauernde Neigung und tieferen Anklang finden wird.
Nach dieſer Zurückweiſung einiger Fehler, die zu vermeiden ſein dürften, erhebt ſich nun die Frage, was das Eigenthümliche und Nothwendige bei dem Geſchichtsunterrichte in Mädchenſchulen iſt, und wie wir denſelben zu behandeln vorſchlagen würden, und zwar zuerſt in Rückſicht auf die Auswahl des Stoffes.
1. Vor allem gilt es hierbei zu bedenken, daß Zweck und Ziel des Unterrichtes für Knaben und Mädchen, wenn auch für beide dieſelbe Grundlage einer tüchtigen allgemeinen Bildung, eine ebenmäßige Entwicklung der verſchiedenen Anlagen und Kräfte gewonnen werden ſoll, doch in Hinſicht auf den ſpäteren Lebens⸗ und Berufskreis verſchieden ſind, und daß bei verſchiedenen Zwecken auch verſchiedene Mittel gewählt werden müſſen. Die Mädchen ſollen ja nicht, wie die Knaben, für ein Geſchäft, ein öffentliches Amt, auch nicht für die Rednerbühne oder ein wiſſenſchaftliches Studium gebildet, vorbereitet und erzogen werden(wenigſtens bis jetzt in unſeren Mädchenſchulen noch nicht). Ihr Beruf weiſt ſie vielmehr auf die Beſchäftigung für das Haus und im Hauſe und für die Familie im Beſonderen.„Verborgen und ſtille ſein, ſich den Ihrigen widmen, das Haus hüten, die Wirthſchaft(Haushaltung) beſorgen, das iſt ihr beſcheidener Ehrgeiz.“ Was daher nicht dazu dient und mitwirkt, in ihnen den Sinn für häusliches Weſen und Leben zu erwecken und zu nähren und ſie zur Ausfüllung des ihnen von Gott angewieſenen Berufskreiſes geeigneter zu machen, was ſie etwa gar über dieſen Berufskreis hinauszuführen, alſo ihrer Beſtimmung zu entfremden im Stande wäre, muß von dem Ünterrichte nothwendig fern gehalten werden.
Welche Rückſichten dieſe Erwägung dem Geſchichtsunterrichte inſonderheit auferlegt, iſt nicht ſchwer zu finden. Vor allen Dingen wird bei der Auswahl des Stoffes auf Solches das Hauptgewicht zu legen ſein, wodurch die Mädchen in den Stand geſetzt werden können, für ſich und ihre jetzige und künftige Umgebung Verſtändniß, Theilnahme und Begeiſterung für das ihnen am nächſten Liegende, für ihr Vaterland zu ſchöpfen, das ja auf der Familie ruht, ja gleichſam aus ihr erwächſt.
Für das Leben ſollen ſie lernen! So lautet unſere zweite, damit eng zuſammen⸗ hängende Forderung. Unſere Töchter ſollen nicht bloß ſo lange ſie zur Schule gehen Geſchmack und Luſt am Lernen, an geiſtiger Beſchäftigung finden, um dann, wenn ſie der Schule entwachſen ſind,
alles wieder zu vergeſſen und ſich nur den materiellen Intereſſen des Hauſes zuzuwenden. Die Schule Höhere Bürgerſchule. 2


