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ſchichte anzuführen, gegen einen anderen, bei Mädchen vielleicht noch häufiger vorkommenden Fehler im Geſchichtsunterrichte gewirkt werden können, gegen die Genußſucht, indem man an geeigneter Stelle Gelegenheit nimmt, die Quelle derſelben in der Selbſtſucht und Liebloſigkeit gegen Andere erkennen zu lehren; auf ihre Niedrigkeit und Verächtlichkeit aufmerkſam zu machen; das Streben nach Einfach⸗ heit und Mäßigkeit in das Gemüth zu pflanzen und den Sinn auf edlere Genüſſe zu richten, auf die Freude am Wohlthun, am Schaffen und Wirken für Andere, was namentlich am Beiſpiele edler Frauen, die ein Leben voll Entſagung zum Nutzen Anderer allem Genuſſe vorgezogen, anſchaulich und wirkungsvoll gemacht werden kann.
Daß wir damit den Geſchichtsunterricht keineswegs in eine moraliſirende Anekdotenſammlung verwandeln wollten, davon gedenken wir ſogleich das Gegentheil zu beweiſen. Wir denken uns überhaupt jene erziehliche Wirkſamkeit der Geſchichte durchaus nicht gewaltſam herbeigezogen; vielmehr muß die⸗ ſelbe aus den erzählten Thatſachen von ſelbſt hervorgehen, indem man mehr gelegentlich als abſichtlich ſolche Winke giebt. In dem Stoffe ſelbſt, ſo ſagten wir ja, iſt eine ſittlich wirkende Kraft enthalten; es kommt alſo nur darauf an, dieſe Kraft gleichſam frei zu machen und in objektiver Weiſe wirken zu laſſen.
Erſcheint in dieſer Weiſe der Werth des geſchichtlichen Unterrichtes als ein in vielfacher Hinſicht bedeutender für die Bildung der Jugend überhaupt, wie für die der Mädchen im Beſonderen, ſo erhebt ſich nun die Frage, auf die es uns diesmal hauptſächlich ankommt, nämlich wie dieſer Ge⸗ genſtand in Mädchenſchulen behandelt werden ſolle.
II.
Indem wir an unſere Hauptaufgabe, die Behandlung des Geſchichtsunterrichtes in Mädchenſchulen herantreten, ſtellt ſich uns dieſelbe als eine doppelte dar. Wir werden zuerſt von der rechten Auswahl des Stoffes und dann von der Methode im engeren Sinne zu ſprechen haben.
Doch ſei es uns zuvor geſtattet, in aller Kürze einiges Fehlerhafte zurückzuweiſen, das ſich nach unſrer Anſicht bei der Behandlung des hiſtoriſchen Unterrichtes für Mädchen in nach⸗ theiliger Weiſe bemerklich gemacht hat und zum Theile vielleicht noch nicht ganz überwunden iſt.
Wenn man die vielen methodiſchen Handbücher und Anweiſungen oder Leitfaden für den Geſchichtsunterricht überblickt, die allein in den letztvergangenen Jahrzehnten erſchienen ſind, ſo muß man zu der Anſicht gelangen, daß man ſich mit dieſem Gegenſtande in einiger Verlegenheit befindet, oder daß die beſondere Art ſeiner Anordnung und Behandlung einer ſehr verſchiedenartigen indivi⸗ duellen Auffaſſung unterliegt. In dem„Handbuch der pädagogiſchen Literatur der Gegenwart“ von G. E. Schott, III. Theil, Leipzig 1869, ſind nicht weniger als gegen 70 verſchiedene Lehr⸗ bücher nur der allgemeinen Geſchichte für Schulen angeführt, darunter— und das erſcheint uns be⸗ achtenswerth— nur 8 mit der beſonders angegebenen Beſtimmung für Mädchenſchulen(oder wie es auf den betreffenden Titeln heißt„höhere Töchterſchulen“).
Uebrigens iſt es ein erfreuliches Zeichen des Fortſchrittes zum Beſſeren, daß ein alter Fehler, in den man früher beim Geſchichtsunterrichte für Mädchen oft verfallen iſt, faſt ganz zu verſchwinden ſcheint, nämlich aus dieſem Gegenſtande, während man ihn bei Knaben ſtets ziemlich umfaſſend und periodologiſch behandelte, nichts als eine Aufzählung einzelner Begebenheiten, eine Sammlung von


