Aufsatz 
Der Geschichtsunterricht in Mädchenschulen / von C. O. Schäfer
Entstehung
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Geſchichtsunterrichtes bedarf es auch zu einer gründlichen Bildung der Mädchen des Bekanntwerdens mit den bedeutendſten hiſtoriſchen Perſönlichkeiten und den wichtigſten Begebenheiten in den drei Haupt⸗ zeitaltern, namentlich in der deutſchen Geſchichte. Auch ihr Geſichtskreis ſoll erweitert, auch ihr vaterländiſcher Sinn ſoll angeregt, auch ihnen ſoll das Verſtändniß der folgenreichen Ereigniſſe der Gegenwart ermöglicht werden.

Was aber in unſeren Augen den Hauptwerth des geſchichtlichen Unterrichtes in Mädchen⸗ Schulen ausmacht, das iſt ſeine erziehende Wirkſamkeit durch Bildung und Leitung des Gefühls und Willens, alſo ſeine ethiſche Seite. Es bietet ja die Geſchichte ſo vielfach in ungezwungenſter Weiſe Gelegenheit, eine höhere Weltordnung, Gottes weiſe Leitung erkennen zu lehren und den Sinn für das ſittlich Gute, ſowie das Vertrauen auf Gott, den Lenker aller Dinge, zu ſtärken, daß wir in dieſer Hinſicht den Geſchichtsunterricht bei der Mädchenbildung um keinen Preis entbehren möchten, ganz abgeſehen von anderen Vortheilen, die er bietet.

In Mädchenſchulen, wo überhaupt die Erziehung neben dem Unterrichte und durch denſelben beſonders betont und ins Auge gefaßt werden muß, kann der Geſchichtsunterricht in dieſer Weiſe äußerſt wirkſam gemacht werden. Nehmen wir z. B. die Zuchtloſigkeit, den Mangel an Gehorſam und Unter⸗ ordnung, Fehler, die man nicht ſelten als charakteriſtiſche Merkmale der heutigen Jugend beklagen hört; ſollte ſich nicht im Geſchichtsunterrichte vielfache Gelegenheit finden, durch Hinweiſung auf eine beſſere Geſinnungsweiſe dieſem gefährlichen Feinde entgegenzuwirken und als beſtes Abwehrungsmittel eine edlere und zugleich demüthigere Richtung in das Gemüth zu pflanzen? Gewiß wird es nicht ohne bleibende Wirkung an dem ſcharf beobachtenden, fein mitfühlenden und verglei⸗ chenden Sinne der Mädchen vorübergehen, wenn ihnen gezeigt wird, wie Geſetz und Autorität ſtets das feſte Fundament waren, worauf zu allen Zeiten herrliche einfache Geſtalten in Wahrheit und Kraft ſich erhoben. Gewiß wird es einen nachhaltig wirkſamen Eindruck auf ſie machen, wenn ihnen in der Geſchichte Perſönlichkeiten entgegentreten von unbeugſamer Treue und einem Gehorſame, den nichts umzuſtürzen vermag, wie, um an einzelne Beiſpiele, diesmal aus einem anderen Zeitalter, zu erinnern, in der Erzählung von Friedrich von Öſterreich und ſeinem Vetter Ludwig von Baiern; oder wenn in der Lebensgeſchichte großer Männer und Frauen von der ſtrengen Erziehung die Rede iſt, unter der ſie aufwuchſen, wie z. B. von Luther's Kindheit und Jugend, wie ihnen von den Jugend⸗ jahren Friedrich's II. von Preußen, oder von Maria Thereſia's Strenge gegen ihre Kinder erzählt wird. Und wie mächtig müſſen daneben die traurigen Beiſpiele von den Folgen der Zuchtloſigkeit wirken, die ihnen in der Geſchichte entgegentreten, die Beiſpiele von Entartung und Rohheit, von Ungehorſam und Umſturz!

Freilich wird und kann es wohl dem Geſchichtsunterrichte allein nicht gelingen, da, wo der Fehler etwa ſchon eingeriſſen iſt, als ein Korrektiv zu wirken. Das iſt auch unſere Meinung keineswegs. Abgeſehen davon, daß auch der Religionsunterricht und ferner die ganze Schuldisciplin dazu beitragen muß, wird vor allem in dieſem wie in manchem anderen Falle das Haus mithelfen müſſen durch Beiſpiel und Wort, durch ſtrenge Zucht und Betonung des Gehorſams. Im Hauſe muß gelernt werden, was Autorität und Geſetz heißt und für die Jugend iſt, und wie Zucht und Freiheit, Gehorſam und Selbſtbeſtimmung mit einander gehen müſſen, wenn geſundes Leben daraus erblühen ſoll; ſonſt thun es freilich der Unterricht und alle Beiſpiele der Geſchichte nicht.

In ähnlicher Weiſe wird, um noch ein Beiſpiel von der erziehlichen Wirkſamkeit der Ge⸗