Aufsatz 
Materialien für den lateinischen Unterricht
Entstehung
Einzelbild herunterladen

*

zu lassen, werden ihm einige Beispiele derselben Stellung angeführt, wieo Meister, liebster Meister mein, mein Vater selig. Diese Nachstellung hat für den Schüler jedoch den Vorteil, das Adjectiv nach dem vorhergehenden Substantiv leicht zu richten. Schwerer fällt dem Schüler das als Prädicat gebrauchte Adjectiv, weil hier beide Sprachen differieren und gar leicht das völlig unveränderte Adjectiv für ein Adverb angesehen wird. Ich lasse daher im Anfange jedes prädicativ gebrauchte Adjectiv stets attributiv wenden, damit der Schüler es schon im Deutschen als Adjectiv erkennt, wie: Gott ist gerecht es ist ein gerechter Gott. Die lateinische Sprache zeigt sich also auch hier wieder als die einfache, da sie allemal das Adjectiv mit seinem Substantiv in Uebereinstimmung bringt. An die Nachstellung des Adjectivs knüpft sich ohne Schwierigkeit die Stellung des lateinischen Verbums ans Ende, die auch in den deutschen Nebensätzen eintritt, wie Gott schuf die Welt, als NebensatzWeil Gott die Welt schuf. Auch hier wieder ist die lateinische Wortstellung einfach.

Da est, sunt, erat, erant, fui, fuerunt seither in allen Sätzen schon vorkamen und den Schülern alte Bekannte geworden sind, so erfolgt nun die Conjugation von sum voll- ständig an der Wandtafel. Stamm und Endung werden wieder geschieden, letztere jede Stunde wiederholt sing. 1., 2. s, 3. t, plur. 1. mus, 2. kis, 3. ut. Präget euch fest ein: 1) das Praesens indicativ: sum, es, est, sumus, estis, sunt. 2. nur die ersten Personen: sim ich sei, eram ich war, essem ich wäre, ero ich werde seiu. 3) das Perfect: fui, fuisti, fuimus, fuistis, fuerunt; die davon herkommenden Formen nur wieder in der 1. Person: also fuerim ich sei gewesen, fueram ich war gewesen, fuissem ich wäre gewesen, fuero ich werde gewesen sein. Unschwer lernt der Sextaner von der 1. Person die übrigen bilden. Das feste Einprägen und Einüben der Formen des Verbums sum leistet grossen Vorschub bei der späteren Erlernung der Conjugation überhaupt. Die darauf folgende 3. Declination wird in Sexta nur auf die regelmässige beschränkt und, um mit dem Leich⸗ testen wieder zu beginnen, auf der Wandtaſel ein Substantiv auf er z. B. agger decli- niert, an welches sich ohne Schwierigkeit die zahlreichen Substantiva auf or reihen, da auch bei ihnen der Nominativ schon den Stamm enthält, darauf die übrigen Substan- tiva der 3., wobei stets der Genitiv hinzuzufügen und fest einzuprägen ist. Die 4. und 5. Declination bieten dem Schüler wenig Schwierigkeit. Nunmehr ist ein Ruhepunkt zur Wiederholung der gelernten fünf Declinationen notwendig, deren Endungen noch einmal an der Wandtafel zur Vergleichung und sicheren Aneignung vorgeführt werden.

Das Erlernen der 1. regelmässigen Conjugation, die nun folgt, wird an das Vverbum sum angeknüpft und zur Erlernung 1) das Präs. ind. amo, ama s, ama t, ama mus, ama tis, ama nt an der Wandtafel gezeigt und eingeübt. Wiederum wird Stamm und Endung streng geschieden. 2) nur die I. Person der vom Präsensstamme abzuleiten- den Formen fest eingeprägt, also: Praes. conj. ame m, Impf. ind. amaba m, conj. amarem, Fut. ind. amab o. 3) das Perfectum mit den von ihm gebildeten Formen nach fu i conjugiert. Um dem Sextaner einen klaren Begriff des sogen. a verbo zu geben, wird wieder von der Muttersprache ausgegangen und ihm nachgewiesen, wie alle Formen des Zeitworts von drei Grund- oder Stammformen gebildet werden, zunächst der sog. schwachen oder regelmässigen Conjugation, wie: liebe, lieb te, ge liebt, dann der sogen. starken oder unregelmässigen wie: gebe, gab, ge geb en.