Begriffe ist der naturgemässé Weg menschlicher Erkenntnis“, ist der Fundamentalsatz seines Reformplanes, daher geht er sofort von der Lectüre aus. Gleich in der ersten Lateinstunde Soll der Lehrer den ersten Satz seines Lesebuches für Sexta„Sicilia est insula“ laut und deutlich mit genauer Betonung vorlesen und von einigen Schülern wieder⸗ holen lassen. Alsdann werde der Satz vom Lehrer vorübersetzt und die Uebersetzung von mehreren Schülern genau wiedergegeben. Sind so sämmtliche Sätze des Stückes vor- und nachübersetzt, die Vocabeln in dem zugehörigen Vocabular aufgeschlagen, wobei auf die Verwandtschaft lateinischer und deutscher Wörter ¹⁷) wie Sicilia Sizilien, insula Insel, Europa Europa hinzuweisen ist, so wird aus dem Gelesenen das Gleichartige zusammen-⸗ gestellt und-nunmehr das Paradigma an der Wandtafel sich entwickeln lassen. Ob der von Perthes vorgeschlagene Weg der practischere und darum der bessere sei, vermag ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls aber sind seine Winke sehr der Beachtung wert und kann ich den andern Forderungen nur beistimmen, da ich seit Jahren beim Unterrichten so verfahren habe. Auch halte ich ein langes Verweilen bei den grammatischen Formen durchaus vom Uebel. Schon von der zweiten Stunde an verlangt Perthes 5— 10 Minuten Flectierübungen als bestes Mittel, um die ganze Klasse in Zug zu bringen. Das Paradigma. wird erst chne das Deutsche, dann mit der deutschen Bedeutung, bald mit dem bestimmten, bald mit dem unbestimmten Artikel aufgesagt. Erst wenn die Kasus der Reihe nach geläufig gehen, darf ausser der Reihe gefragt werden. Zu der lateinischen Form ist immer die deutsche Bedeutung hinzuzufügen. Fragt also der Lehrer:„den Tischen“, so antwortet der Schüler:„mensis den Tischen“. Kann das deutsche Wort durch mehrere Kasus übersetzt werden, so muss der Schüler alle angeben; wird also gefragt„die Tische“, so ist zu antworten:„mensae die Tische, nomin. plur., und mensas die Tische, accus. plur.“ Auch beim Abfragen der aufgegebenen Vocabeln hat der Schüler stets das latei⸗ nische Wort mit der deutschen Bedeutung anzugeben. Also gefragt„die Taube“ hat er zu antworten:„columba, columbae, femininum die Taube.
Alsbald folgt die 2. Declination. Wieder wird das Paradigma an der Tafel ent⸗ wickelt, Stamm und Endung scharf geschieden und fest geübt. Nun ist ein Ruhepunkt geboten, der durch die Adjectiva der 1. und 2. Declination gewonnen wird. Die überaus wichtige Uebereinstimmung des Adjectivs mit dem Substantiv ²⁸) wird zunächst wieder an der Muttersprache nachgewiesen, und dann auch im Lateinischen dargelegt, zugleich aber die vom Deutschen abweichende Stellung des Adjectivs hinter dem Substantiv im Lateinischen betont. Um dem Schüler diese Stellung nicht gar so absonderlich erscheinen
¹) Dieser Hinweis erleichtert nicht nur ungemein das Erlernen der Vocabeln, sondern rückt auch die lateinische Sprache dem Schüler näher und lässt sie ihm nicht als eine abgestorbene Sprache erscheinen. Bei sich bietender Gelegenheit verweise ich auf diese Entlehnung aus dem latein. Wortschatze bei den Namen von Ländern, Städten, Gebirgen, Personen. Monaten, Classen, Blumen u. s. W. theils unverändert, wie Europa, Sparta, Taunus, Julius, Doctor, Clara, September, Sexta theils mit veründerter oder abgewor- fener Endung wie Asien, Rom, Apennin, Juni, Rose, theils weiterer Veründerung wie Römer, Neapel, Spanien, März, Primel u. s. w.
¹3) Das Adjectiv in seiner völligen Abhängigkeit vom Substantiv verglich ich der Kletter- oder Schlingpflanze, die in ihren Windungen, in ihrer Höhe, in ihrer Lage, kurz in allem der Stange, dem Baumstamme, dem Gegenstande sich anpasst, an dem sie emporrankt.
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