Aufsatz 
Materialien für den lateinischen Unterricht
Entstehung
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andrerseits die Repetition in Quinta abzukürzen und Zeit für das aus dem Sextaner⸗ Pensum Ausgeschiedene zu gewinnen.

Die Beschränkung muss zunächst auf den grammatischen Lernstoff Anwendung finden. Dieser darf sich in Sexta nur auf das Allernotwendigste erstrecken. Die Grammatik ist hierzu ganz entbehrlich. Die Wanclafel ¹⁰) als plastisches Element des Sprachunterrichts, dem es im Vergleiche zu andern Unterrichtsfächern, namentlich an den Realanstalten, so sehr gebricht ¹¹), muss eine Hauptrolle spielen. Von der deutschen Muttersprache muss als Grundlage gleichsam als Angelpunkt ausgegangen werden. An ihr müssen zuvörderst sowohl die Formenlehre als auch die Syntax der fremden, zu erlernenden Sprache erläutert

¹⁰) Klügel S. 15 sagt hierüber:Jedes Pensum wurde in der Stunde möglichst genau durchgesprochen mit Zuhülfenahme des einfachsten und besten Unterweisungsmittels, der Wandtafel; das Buch, die Gram- matik, blieb dabei unbenutzt. Hatte ich die Formen entwickelt und vor den Augen der Schüler entstehen lassen, deren Blicke alle auf einen Punkt gerichtet waren, und die sich nicht durch Blättern im Buche, durch die Ueberfülle der Formen zerstreuten, dann folgte das Nachsprechen der Formen durch die Schüler im Chor, wobei auf genaue Accentuierung und möglichste Unterscheidung kurzer und langer Sylben geachtet wurde; nur so kann man der hässlichen Unsitte, beim Hersagen auf die letzte Sylbe den Ton zu legen, mit Erfolg steuern. Daran schloss sich die Nachbildung der Formen an andern Beispielen durch die Schüler, wozu möglichst viele herangezogen wurden. Erst wenn dies tüchtig geübt war, wurde die Gram- matik aufgeschlagen und das Durchgenommene nachgelesen. In der nächsten Stunde wurde dasselbe Pensum noch einmal besprochen, wobei die Thätigkeit der Schüler eine noch grössere sein musste, als in der Stunde vorher, indem die Schüler teils Paradigmen aufsuchen, teils durch Antworten auf die Fragen nach einzelnen Casus, ihren Endungen, ihrer Bedeutung erkennen liessen, ob das Durchgenommene schon ihr Eigentum geworden war. Jetzt zeigte es sich, wer von den Schülern das Pensum beherrschte. Erst jetzt, nachdem durch nochmalige Erklärung möglichst allseitiges Verständniss erzielt war, wurde das Pensum als Haus- aufgabe gefordert, deren Erfüllung in der dritten durch Abhôren, immer mit Verwendung anderer Beispiele als das in der Grammatik gegebene, festgestellt wurde. Es ist dies ein Verfahren, das vielleicht manchem als etwas zu langwierig erscheinen könnte. lch gestehe auch zu, dasselbe nicht in den ersten Jahren meiner Thätigkeit angewandt zu haben, sondern bin erst später darauf gekommen, habe es aber dann mit geringen Ausnahmen, wenn es sich nämlich um sehr leicht verständliche Dinge handelte, streng beibehalten. Vor- züglich aber im Anfange, wo langsames Vorrüúeken bei der Neuheit der fremden Sprache ein Hauptgebot ist, möchte ich dies Verfahren empfehlen; man erzielt einmal grösstmögliche Beteiligung der einzelnen Schüler, erhält aber auch bald dadurch einen Einblick in das geistige Leben des Schülers: ob er hat folgen können, ob er mit Interesse gefolgt ist, was ihm schwer geworden ist; ein Einblick, der für den Lehrer, der die Schüler neu übernommen hat, doppelt wertvoll ist, umsomehr, da oft die Schüler aus falscher Scheu, wenn sie etwas nicht verstanden haben, sich nicht melden und um nochmalige Durchnahme bitten, sondern lieber zu Hause in ihrer Art mechanisch auswendig lernen. Dem geht man aus dem Wege, wenn durch nochmalige Durchnahme ein wiederholtes Erfassen des Pensums ermöglicht wird. Vor Allem aber vermeidet man durch die erwähnte Behandlung ein Uebel, das in unserer Zeit eine Hauptquelle mancherlei Vorwürfe für unsere Schulen geworden ist, das der Ueberbürdung..

¹¹) Dass dieses Bedürfnis vielscitig empfunden wurde und wird, bpeweisen die namentlich in den letzten Jahren veranstalteten illustrierten Ausgaben lateinischer Klassiker, die von Kampen'schen Karten zu Cäsar's bell. gell., bewiesen auch die auf der vorjährigen General-Versammlung der Lehrer an höberen Unterrichtsaustalten unserer Provinz zu Diez von Dr. Lohr(Wiesbaden) seinem Vortrageüber die Bedeu- tung des Modells an Gymnasien zu Grunde gelegten Thesen. Leider sind die unteren Klassen bis jetzt noch recht stiefmutterlich behandelt. Um so erfreulicher sind die von A. Rosenstock zusammengestellten Wandkarten von amo und deleo als plastisches Hülfsmittel bei der Einübung der Conjugation zu be- grüssen Es ist wenigstens der Anfang gemacht.

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