Aufsatz 
Roms Dank. Dramatische Skizze in 3 Szenen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20 6

Die drüben(nach den Senatoren zu) sehen freilich nicht

grad' aus, Als seien sie ihm sonderlich gewogen. Sag's ihm.(kiber und Senatoren gehn vorüber.) Nun

ist's zu spät. Tiberius(zu den Senatoren): Was bringt ihr, ward mein Vorschlag überlegt? 500 Morgen jedem Bürger Roms, 500, und was drüber ist, ist Raub. So galt es von der Väter Zeiten her, So hat Licin's Gesetz es schon gewollt. Und tretet trotzig ihr das Recht mit Füssen: Macht gegen Macht! Ihr wisst, was euer harrt.

Alter Senator: Hast du vor Roms Gesetz so wenig Scheu, Dass du nach deinem Kopf es drehst und deutest So achte doch dies altersgraue Haupt, Und lass' Dir raten!

*

Einer aus dem Volk: Nun so etwas! Fängt jetzt der Alte an, dann könnt ihr warten! Gib her den Kranz!(Nimmt ihn und drängt ihn auf den Kopf Tibers, immer näher drängend, so dass er ihm denselben fast aufsetzt.) Hoch, hoch! Tiberius!(Allggemeine Beifallsrufe!) Tiberius, nimm, du hast sie längst verdient, Dem Besten Roms die Bürgerkrone! Alle:

Ach was, die Königskrone ihm aufs Haupt!

Tiberius(abwehrench: Bei allen Göttern, haltet ein!

Das war es nicht Habt Dank, ihr Lieben, Aber haltet ein!

Senator(höhnend und zornig): Roms Herz! Nun engdlich reisst die Mask' ihm vom Gesicht: Das also war sein Ziel.

Tiberius: Nein, nein, ihr seid mein Ziel und eure Schmach.

Ein zweiter Senator: Als gäb' es grösser Schmach noch wie Verrat!

Tiberius: Verrat? Ja, ja, an euch und eurem Thun!

Ein dritter Senator:

Hierher, ihr Götter Roms, mir fehlt das Wort.

Tiberius: Dasselbe auch; auch ich weiss keinen Rat. Ein vierter Senator: Thaten für Worte! Mag das Schwert entscheiden!

Tiberius: Sei's, und die Götter schützen meinen Arm!

Ein fünfter Senator: Ihr Götter, hört, denn eure Sache gilt's: Weh dem, der an die fromme Satzung rührt! Unseliger, du hast es selbst gesagt, Und drücktest so den Stahl uns in die Hand. (Dringen auf ihn ein.)

Der Römer König, nimm der Römer Gruss! (Gemenge; Tiberius fällt.) Carra(über seine Leiche hinsinkend):

Das ist sein Kranz, der Römer Ehrenkrone, Ein blutiger Kranz um unsers Retters Schläfe, Das Herz von Rom und das der Römer Dank!

III. Szene. (Gela mit einem Schmuckkästchen beschäftigt.)

Gela(Cornelia eine Kette reichend): Die hier ist prachtvoll, Das ist die schönste wohl von allen Ketten, So bleich und matt und doch so farbensatt, Das war die fiochzeitsgabe. Mütterchen, gesteh! Cornelia: Nur immer Hochzeit! Närrchen, ganz was anders!

Gela: Erzähl mir's, bitte, doch!

Cornelia: Von lange her ein liebes Angedenken

An eine schöne, ferne, liebe Zeit.

lch sass im Hof mit meinen Dienerinnen, Die spann, die wob, die dritte wand das Garn, Da trat die schönste aller Römerinnen,

Längst ist sie tot, Aemilia, bei mir ein.

Ja, sie war schön, die Freundin, schön und gut Und stolz; wie eine Fürstin schritt sie her, Erhob'nen Haupt's, Goldspangen im Gelock, Um Hals und Nacken aber schmiegte sich,

In Farben glühend, wie'ne Zauberschlange, Ein Perlenband von wunderbarer Pracht.

Und als sie mein verworren Staunen las,

Löst lächelnd sie das Band und reicht es mir.