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Mennius:
Mit Droh'n mich schrecken? Zieh' doch, Ellenritter!
dn dem Augenblick, wo sie handgreiflich werden wollen, drängt sich eine ärmlich gekleidete, noch jüngere Frau aus dem Volk mit einem von ihr sorglich gehüteten Eichenkranz heran.)
Carra: Platz, Platz, nur einen Augenblick, Ihr Herrn!
Viele(zu Mennius und Lara):
Lasst doch den Unsinn! Platz da für die Frau! Einer: Stoss' ihr nur keiner an ihr Heiligtum! Ein Anderer:
Was soll der Eichenkranz; darf man es wissen? Carra:
Jeder darf's wissen, jeder soll es wissen:
Dem besten Bürger Roms ist er bestimmt.
Mennius: 3 Wem denn?
Cafra: Er ist in Aller Mund. Von ihm nur spricht ganz Rom: Tiberius.
Einige(höhnisch lachend):
In Aller Mund! Sehr wahr! Ihm flucht ganz Rom: Rom an ltalien, Rom verkauft.
Carra: Flucht ihm? Dann, bei den Göttern, kennet ihr
ihn nicht. Einer(höhnisch):
Nun ja,'s giebt Leute, die ihn besser kennen.
Carra: Armseliger Wicht!— lst keiner, der mich schützt? Ihr edlen Römer, einem armen Weib Ein solches Wort.— Wär' Er an eurer Statt,
Er trieb' mit einem Blicke euch zu Paaren,
So muss ich's dulden, seit mein Carrus tot.
So keck wie euch war auch einst uns zu Mut, Als wir da unten fromm und friedlich lebten. Doch seit sie ihn vertrieben und gehetzt,
Gehetzt bis in den Tod von eigner Hand,
Die Herrn der Welt den armen, kleinen Mann, Seitdem fluch' ich der Welt und fluche Rom, Rom dir vor allen, herzlos Ungeheuer,
Dess Purpur strahlt, gefärbt in Bürgerblut.
— Wer hob mich auf, als ich am Boden lag, Wer gab uns Brot, wer schützte meinen Leib Vor Schmach und Schlägen— und dem fluchet ihr? Tiberius— dem Herzen Roms?
—— Wär' alle Liebe auf der Erde tot,
Läg’ Treu und Glaube schmachbedeckt am Boden,
Er stünde über all der Schmach erhaben
Als wie ein Gott auf seiner lichten Höhe,
Und wie zu eines Gottes heiligem Bild
Leg' ich des Dankes Spende ihm zu Füssen.— — Ihr guten Bürger, lasst mich, lasst mich durch!
Einer: Das Herz von Rom! das hat sie recht gesagt. Ja, und das dann mit Valer— hab'’ ich euch nicht
erzählt?— Der war ja auch schon für den Steinbruch reif, Er wand sich flehend zu des Quästors Füssen, Da trat Tiber hinzu: er war gerettet. Ihr glaubet mir es nicht. Der glaubt ihr alles. Mennius: Nun, Murro, Freund, was sagst du jetzt dazu?
(Sucht ihn vergebens.) Wo steckt er denn?
Lara: Ja, das ist ein Politikus, Die wissen stets, woher der Wind just weht; Der merkt: Vor dieses Weibes schlichtem Wort Zerplatzt sein silbenstecherisch Gerede Wie eine Seifenblas'— Gib mir die Hand, (zu Mennius)
Bin, wie gesagt, kein Staatsmann, Mennius, Doch was die Frau und dieser da gesagt, Da kann ich folgen. Sagtest selber ja: »lst alles mehr Gefühl.« Nun ja, da innen spricht's Und was da spricht, ist wahr. Mir sagt das Herz: Tiber, das Herz von Rom!— Gib mir die Hand!
(Mennius reicht sie ihm.)
Mennius:
Hier, alter Freund, fort Luftikus, fort Galle.
Carra: Lasst mich doch endlich, liebe Herren, durch!
AIle: Oho, wir gehen mit, auf zu Tiber! (in diesem Augenblick tritt Tiber im Gespräch mit Senatoren wieder auf; hinter ihnen drängen andere Vornehme etc. nach.)
Einige aus dem Volk: Da kommt er selbst.(zu Carra): Gib ihm den Kranz!
Bleibt stehn.
Carra: lch wage nicht. So ernst! So ganz ein andrer Mann!
Einer: Sag' ihm: wir folgen alle Mann für Mann, Als'ne lebendige Mauer, droh', was will.


