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lch seh' es noch.— In diesem Augenblicke Rollt mir zu Füssen gar ein lustiger Knäuel.
Ihr wart's, ihr Rangen, die nach Knabenart
In heiterm Ringkampf, Leib an Leib gedrängt, Lachend und jubelnd mir zu Füssen tolltet.
Und als ihr nun, des holden Streites müde,
Mit wildem Umgestüme mich umhalstet,
Da wehrt' ich lächelnd und mir entfuhr's: (Bedeutsam):»Aemilia, sieh, das nun sind meine Schätze, Ein lebend, süsses Band um Hals und— Herz!« Ein rasches Wort, denn sie war kinderlos.
Stumm löst sie eine Reihe, reicht sie mir,
Von Perlen funkelnd und von Thränenperlen.
Gela(sie umarmend): Du liebe Mutter! Und doch——(z²ögernd) und doch, Die Perlen da sind gar zu wunderschön.
Cornelia: O Jugend, Jugend! Kennst du das Leben erst, du lernst schon auch Des Lebens wahren Schmuck vom falschen scheiden. Sag, was gefällt an Deinem Gajus Dir denn am besten?
Gela:
Das hab' ich nie bedacht— Geduld!— Nun: alles.
Cornelia: Wenn du's bedächtest,'s ist der Flitter nicht, Den nimmt die Zeit dir, nur sein Wahrstes bleibt.
Gela(lebhaft): Er ist so kühn, so klug, so ganz auf sich gestellt, lch weiss es selbst nicht, dieses bald, bald jenes, Dann wieder alles. Aber halt— das ist's, lch hab' es, Mutter: Wenn er so, Die Arme weit gebreitet, mir entgegeneilt, Und mich sein herrlicher Feuerblick verzehrt, Die Schönheit siegt.— Nun schilt mich, wenn du kannst! (in diesem Augenblick eilt Gajus mit ausgebreiteten Armen herein und auf Gela zu.) Cornelia(lächelnd):
Die Probe auf's Exempel! Sieh', da kommt er! (Sie umarmen sich.)
Gela: Gajus, denk', ich soll dich nicht mehr lieben. Gajus: Wer sagt denn das? Gela(neckisch auf Cornelia deutend): Hier, die zärtlichste der Mütter, Der Gracchen Mutter— die berühmte Frau.
Cornelia(vergnügt): Weisst ja selber, wie's gemeint. Doch wenn sich Alter mit der Jugend streitet, Hat stets die Jugend recht. — Gajus: Gute Nutter, Zieh' nur den Schelm da, werde nur nicht müde; Was du versäumst, ich hol' es nicht mehr nach, Mir wird es gehn wie jedem Ehemann. Doch ich weiss Rat:(zur Mutter) Gelt, du verlässt uns nie? Dann sind wir beide in der besten hut. Nicht, Gela, Mutter, nicht? Cornelia: Ihr lieben, guten Kinder, eure Hand! Du lieber Schelm!(2zu Gajus): Du wilder Feuerkopf, Das ist die rechte Mischung— und erst ein wenig noch — lch kann's nicht leugnen— von des Bruders Art, Der schlichten, ernsten, reifen Mannesart, Dann wird er ganz des Vaters Ebenbild.
Doch, sagt, wo bleibt der Bruder?(Scipio kommt langsam und ernst.)
(Zu Gela gewandt):
Gajus: Da kommt der Schwager. Scipio, wo bleibt Tiberius nur so lange? Cornelia: Was ist? Du blickst mir ja so seltsam drein? Hast Kummer? Sprich nur frei,
Mein erz ist just so Glückes übervoll,
Dass es von seines Glückes Uebermass Gern etwas auch in andre kierzen gösse. Nur sprich: wo bleibt Tiber?7 Scipio: Du weisst es ja, Man kann bei ihm nicht mit der Stunde rechnen, Und heute gar, am Tag der neuen Wahl, Macht euch auf alles, alles nur gefasst! Cornelia: Mir ahnt. Ist's das, was deine Stirn umwölkt? Er ist gestürzt, verlor des Volkes Gunst: Der Tag, der mir des Volks Tribun geraubt, Gibt meinen lieben, lieben Sohn mir wieder. Der Tausch sei schlimm für ihn, für mich Gewinn. Für deine böse, gute Botschaft dank! — So ernst noch immer?— Warum kommt er nicht? Was ist? Vertrau' dich deiner Freundin an!
(Nach einer Pause):


