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Dies iſt, um in Kürze ein in jeder Hinſicht ſchlagendes Beiſpiel zu berühren, bei den Plankten der Fall. Buchholtz ¹) beruft ſich zuſtimmend auf R. H. Kauſens Worte: die Plankten erſcheinen bei Homer keineswegs als beweglich, ſondern als durch Brandung und Rauch verderblich, und da⸗ her denke der Dichter offenbar an feuerſpeiende Felſen im Meere. Dieſelbe Auslegung, das gleiche falſche Entweder— Oder finden wir z. B. in Paulys Realencyklopädie(s. v.). Dieſe Ausleger haben das Verhältnis von 12, 201 ff. zu 12, 59 ff. nicht richtig erfaßt. Die Vorausſage der Kirke und was Odyſſeus erlebt, kann ſich gar nicht decken. Demnach müſſen die Plankten in beiden Stellen ſehr verſchieden auftreten. Kirke ſagt deutlich: entweder komme er in die Schlag⸗ felſen, dann ſei er wie jedes Lebeweſen dort verloren, oder er treibt gegen Skylla und Charybdis. Sie will ihm überlaſſen, was er thut v 56—58: ein ſehr verſtändlicher Appell an ſeine Einſicht. Demnach irrt jede Ueberſetzung und Auslegung, die von Odyſſeus in den Plankten ſpricht ſtatt „an“,„vor“ ²). Ihre Schlageigenſchaft erfährt er alſo natürlich nicht, nur was v 68 andeutet, Brandung und Feuerglut, und dem entgeht ſein Schiff v 214 durch ſchnelles Rudern ³). Dann thut ſich vor ihu wieder eine Wahl auf: Skylla oder Charybdis, und da die letztere überhaupt keine Rettung gibt, wählt er wieder die andere, y 107.(Ungenau ſagt Thukyd. IV, 24:„al Eoriv Xdον⁵ Aeox, 7, O2ede erstat BtanxXebcæt.) Die Symplegaden der Argonautenſage, die in der homeriſchen Zeit noch nicht feſt ausgebildet iſt¹), ſind die Plankten Homers, die nur hier nicht zum Schlagen kommen. Daß ſie hier im Weſten auftreten, ſpäter im Oſten, wollen wir nicht mit Ameis(Anh. zu Od. XII, 70) erklären:„erſt die ſpätere Sage hat für den Argonautenzug das beſtimmtere Lokal im Oſten ausgebildet“, ſondern ſchärfer gefaßt: in Homers Welt iſt eine geogra⸗ phiſche Trennung von Nordweſt und Nordoſt noch nicht klar vorhanden ⁵). Kurz, die homeriſche Welt hat nördlich wie ſüdlich keine Breite. Wie er die Aethiopen im Südweſten und Südoſten wohnen läßt, ſo hat Müllenhoff l. c. S. 53„mit Recht Aeetes und Aeaea geographiſch zuſammen⸗ gebracht.“
Das urſprüngliche Gedicht ſchließt jetzt mit dem Ausblick auf einen unendlichen Horizont, auf die Wallfahrt zu den fernſten Feſtländern, welche Tireſias vorſchreibt, deſſen Weiſſagung auch auf Bergk(Griech. Litteraturgeſch. Bd. I, 689) den Eindruck macht,„daß ſie unverfälſcht überliefert ſei.“ In dem Augenblick, wo eine beſtimmtere Kunde darüber aufkam, daß jene vermeintlich ſalz⸗ loſen Binnenländer in Wahrheit Poſeidons Segen in großer Fülle genöſſen, war dem Dichter der Mund geſchloſſen. Daß hier ſonſt ſeine freie Imagination von dem einen feſten Punkte aus, wie bei den Phäaken, aufs ſchönſte gewaltet haben würde, werden wir ihm wohl zutrauen. Jetzt aber blieb ſeine Dichtung ohne Ende, und eine ſpätere Zeit gab ihr nicht nur einen gewiſſen chroniſtiſchen Abſchluß 23, 296 ff., ſondern auch einen ſozuſagen ethiſchen. Denn wenn Poſeidon nicht durch die Wallfahrt verſöhnt ward, dann mußte er ſich ſein Recht verſchaffen, wo er es fand, und das Gefühl trat hervor, welchem der Einſchub von der Schiffsverſteinerung ſeinen Urſprung verdankt.
¹) Die concurrentia saxa Juven. 15, 19. Die artae Symplegadae des Ovid Trist. I, 10, 47.
¹) Zutreffend Müllenhoff:„bei den Plankten, die Od. auf den Rat der Kirke vermeidet“. Altertumsk. 55.
³) Dieſe Gefahr meint Orph. Argon. v 1256 ff.— mit(für die Zeit ihrer Abfaſſung) geographiſcher Naivetät, und Apollodor I, 9, 25 hilft Thetis gleichfalls.
⁴) na.g Albrao deutet den Rückweg der Argo an! Ebenſo iſt das von den Tauben Geſagte bei Homer eine noch verſchwommene ältere Geſtaltung der Mythe, reſp. Sage.
⁵) Euſtathius, die Krone aller Harmoniſten, ſagt zu n 70 freilich: 5rs αl.αeνέινμρεοαανv E⁵ ρμν oοονν A 6 ½ †αεας πληρννἀdας, obr Nal ras onεεας eετεε IAa*νντααeς.


