Aufsatz 
Das epische Thema der Odyssee und die Tiresiasweissagung / von Ludwig Schädel
Entstehung
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beſchreibungen¹) aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts wiſſen von ſalzloſen Ländern nicht, man muß ſich einzig mit Hadramaut begnügen, wovon Hehn S. 16, Schleiden S. 5(mit den Anmerkg.), wenn man die bekannte Stelle des Salluſt über die ſalzloſen Numidier verſchmäht²). Immerhin iſt gewiß, daß in einer Vorzeit das ſalzloſe Gebiet ſich weiter erſtreckte, ſoviel auch Schleiden über das Gleichbleiben der Salzkultur(des Salzverbrauchs, des Salzhandels) beibringt. Nimmt nicht Hehn, wie ich(mit Benfey) meine irrig, an, die Indogermanen hätten das Salz erſt am Orus kennen gelernt? Wiſſen wir nicht aus unzähligen Stellen der Alten, wie der Salzgewinn von dem kindlichen Verfahren, welches z. B. Plin H. nat 21, 40, bei Schleiden S. 11, A. 41 beſchreibt, aufgeſtiegen iſt im Altertum bis zu dem Raffinement der Salzgewinnung, welches uns die römiſchen Land⸗ wirtſchafter ³) Cato, Columella, Palladius zeigen? Auf dieſe Letzteren weiſe ich eben darum nachdrück⸗ lich hin, weil ſowohl Hehn wie Schleiden dieſe Schriftſteller für ihren Zweck nicht ausgenützt haben. 1 Und wo wäre nun das Land im Altertum zu ſuchen, welches der Salzkultur entbehrt hätte? Die Alten haben es ſich mit dieſer Frage allzu bequem gemacht, ſie war ihnen, wie dem Euſtathius, eigentlich unfaßbar. Die allerübelſte Annahme, das nahe Theſprotien ſei das ſalzloſe Land, hat leider durch Eugamons Telegonie, wie wir ſahen, beim Pauſanias) Glauben gefunden, und ſo geiſtesmächtige Skeptiker wie Schleiden, ſo große Kenner des Altertums wie Welcker haben das angenommen. Bei Buchholtz, der überhaupt keine kritiſchen Neigungen zeigt, iſt das ſchon begreif⸗ licher; aber da er die Kultur Theſprotiens auf Grund der Odyſſee als eine helleniſche, die The⸗ ſproter als Seefahrer kennt), ſo hätte er ſich I, 2, S. 294 nicht bei der ſinnloſen Annahme des Eugamon und des Pauſanias beruhigen dürfen. Für Theſprotien ſprachen ganz andere, wenn auch nicht genealogiſch gemachte Gründe, auf die wir ſpäter zurückkommen.

Aber gerade die Unverſtändlichkeit der Tireſiasweiſung Bernhardy ſagt,ſie ſei immer ein Rätſel geblieben l. c. 178 verbürgt auch ihre Unerfindbarkeit, alſo gerade ihren Urſprung im Plane des ſchöpferiſchen Dichters). Hier lag ihm keine Volksſage vor wie ſein Gedanke ja auch nirgends aufgegriffen und fortgebildet iſt ſondern freie Phantaſie wollte er da walten laſſen, wie Preller und andere die Phäaken für eine reine Fabulation halten.

Die Frage iſt ſo zu ſtellen: wo kann dasjenige(nicht griechiſche ohne Poſeidonskult!) ent⸗ fernte Binnenvolk gewohnt haben, von dem ein griechiſcher Dichter im homeriſchen Zeitalter an⸗ nahm, daß es das Salz nicht kenne? Ein Volk, von welchem dem Dichter hernach bekannt ward, daß es das Salz dennoch gekannt habe oder inzwiſchen kennen gelernt habe, da er die Ausdichtung dieſer Wanderung hernach unterließ. Denn annehmen, der Dichter habe aus äußeren Gründen

)) Z. 3. bei Ehrmann, Harniſch, v. Zimmermann, Blanc, Le Vaillant, bei den Neueren Balbi, Berghaus, Merleker, Widemann und Hauff.

¹) Jug. 89 worin übrigens auch nicht liegt, daß die Numidier das Salz gar nicht gekannt hätten, wie man allgemein irrig annimmt.

¹) Catosalem candidum uti facias cp. 58. Palladiusde caseo faciendo lib. VI tit. 9. Columella noch öfter: Salz zum Einmachen von Gemüſen lib. XII, cp. 13, zum Pökeln XII, c. 53 u. o. Zu Oliven XII, 47 cf. 49. Herſtellung der muria bei Feſtus muries der Salzlake häufig(quomodo dura fiat XII, 6). Noch auffallender wäre bei Schleiden und Hehn die Uebergehung der großen Stelle bei Iſidor Hiſpal. über das Salz(Origines, de glebis ex aqua) wenn ſie darin nicht vielleicht nur die Abhängigkeit von Plinius, nat. hist. XXXI, cp. 39 sqq. erkannten. Schleiden ſtreift Iſidor einmal, wie mir ſcheint, ohne ihn direkt zu kennen.

*) Wie oft hat Pauſainas nicht demälteſten Manne zuviel getraut, den er zuerſt 8, 42, 13 in die Litteratur eingeführt hat!

*) I, 1. 88 ff.

) Bergk meint allerdings:ſo etwas erfindet ein Dichter nicht. Gerade nur ein Dichter, kein Diaskeuaſt.