Aufsatz 
Das epische Thema der Odyssee und die Tiresiasweissagung / von Ludwig Schädel
Entstehung
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die ſcheinbar unmotivierte immer erneute Apodemie des Helden könnte durch die Weiſſagung ¹), er werde von Sohneshand(er verſtand Telemachs) ſterben, begründet geweſen ſein(ſo Fragm. Buttm., unſres Erachtens ein Reſt des griech. Dictys: rey dnd Tod d aarov Er rrvGv Hyred εοv 8Xlscv). Die Frage aber, ob die Theſprotis*) und die Telegonie daſſelbe ſind, iſt durch Welckers Bemerkung (Rhein. Muſ. Supplem. I, 312) verneinend entſchieden; ebenſo widerſpricht er der Angabe des Clemens Alexandrinus in den Stromata, Eugamon habe des Muſäus Buch über die Theſproten ausgenützt, der Sachverhalt ſei vielmehr umgekehrt³). Wir ſehen den Namen des Muſäus heute nicht mehr mit der heiligen Scheu an, die Herodot vor ihm zur Schau trägt und dem ſeine Werke (im Unterſchied z. B. von denen des Bakis) als ein unverſtändlicher Codex erſchienen).

Die Telegonie hat im Altertum ein hohes Anſehen genoſſen. Welcker nennt außer den be⸗ kannten verlorenen Tragödien des Aeſchylus und Sophokles von dem durch den Rochenſtachel ge⸗ fallenen Odyſſeus(Akanthoplex), ſogar eine des Pacuvius). Eine Menge Scholienſtellen reden davon; jene oben behandelten ſpäten Mythologen(Dictys, Malalas, Joh. Antioch., die Pfälzer Hſr. bei Buttmann) malen das grauſe Schickſal des alten Helden aus, welches mit den Worten des Tireſias vom ſanften, friedlichen Ende nunmehr in vollſten Gegenſatz gebracht iſt. Auch jener Oppianus, der die Halieutica ſchrieb, gibt dies B, v. 497 sdq. Witz und Phantaſie ließen ſich auch daran nicht einmal genügen, daß Odyſſeus durch den zur Waffe gewordenen Stachel des Rochens, den Kirke dem Sohne mitgab, gefallen iſt: faſt zum Satyrdrama entartet die Fabel, wenn die Schlauheit des Sextus Empiricus ⁵⁶) den meuchleriſchen Stachel im Kote eines Vogels den Helden aus der Luft tötend treffen läßt 5 76!

Zu Eugamons Epos waren 2 Stämme zuſammengearbeitet, von dem der eine von dem andern (zwei Bücher?) ſich leicht mußte ablöſen laſſen: bei Dictys und ſeinen Folgern finden wir nur das telegoniſche Element, das theſprotiſche fehlt völlg.

War die eine Wurzel, aus der die Telegonie erwachſen iſt, Dynaſtieeitelkeit, ſo iſt die andere ein grobes, ſpitzfindigem Witze entſtammendes Mißverſtändnis jenes Tireſiaswortes, Odyſſeus ſolle ſeinen Tod 4 ο finden. Das will doch ſagen, der ſtets im Meer umgetriebene Held ſolle außer⸗ halb des Meeres einen friedlichen Tod finden. Hierher möchte dann das Wort aus der Orendel⸗ ſage paſſen: I, 25: ist daz ir einen dwinget uber sinen willen, irdrinke hi üph dem waàge, 86 wirt hi vischen»'àze: versaget im got sin riche: alſo εs ⁄ος! Aber man verſtand, weil dieſe Deutung zu einfach und unfruchtbar war, das Wort mit vermeintlichem Tiefſinn!):

¹) Wir können es hier auf ſich beruhen laſſen, daß Welcker dagegen Rhein. Muſ. Bonn 1849 S. 303 A. 2 eine frühere Theſprotis und ſpätere Zuthaten des Eugamon in die Telegonie zuſammengehen läßt.

) Pauſ. 8, 12, 5(nicht 3, wie Welcker cit)...

³) Beiläufig bemerkt muß Muſäus, da er dem Herodot als ein durchaus alter erſcheint, gewiß höher hinaufgeſetzt werden, als Sittl thut.

) Wir finden dieſe Weiſſagung, welche auf die Telegonie zurückgehen wird, z. B. in Buttmanns Fragm.

³) Selbſt ganz gelegentlich, wie ſprichwörtlich nennt Ovid. trist. I, 1, 114 ſeine Verſe telegoniſch, weil ſie ſeine Ver⸗ bannung verurſachten, den eigenen Urheber töten. Auch in den Worten des Caligula, der in Homericis ſehr verſiert war, Suet. 40 quid ego tibi Telegenius videor muß eine Anſpielung derart ſtecken. b

) Bei Pauly Realencyklopädie s. v. Odyſſeus S. 870.

¹) Ganz richtig erfaßte Oppian 1. c. den Reiz davon: vαο ιοv αοακέμνρνν˙080O., LL. vOD

AXTe HsOαα νναα πμωμυννυνσνυοιοσινð dεꝭοσε, rHb λμντνννένμνεοοαα m⁷/1M△Huσsvipaæro Surf. Hier hat Oppian das 484XL0s nicht, aber B 593 bringt er es: es klang in ſeinem Gedächtnis nach.