Und ſolchen tiefen Eindruck hat die Tireſiasweiſſagung auf den Dulder gemacht, daß er ſie in den erſten Stunden des Wiederſehens der Gattin(faſt nur mit der grammatiſchen Umſetzung der 2. in die 1. Perſon) wörtlich wiedergibt. Denn die ganze Odyſſee, das Lied vom kühnen Wagen und Gelingen des Seefahrers, durchzieht das Bewußtſein, daß Poſeidons Ehre, die durch eine glückliche Heimkehr ſeines Feindes ſchwer beſchädigt erſcheint, einer ſolennen Genugthuung bedarf, und daß es damit nicht gethan iſt, wenn Poſeidon gewiſſermaßen nur durch Poſeidon(die Immunität ſeiner Phäaken) überwunden ward. In der Tireſiasweiſſagung hangt die ganze Dichtung; ſie gibt ſelbſt die erſte Ankündigung vom Kampf mit den Freiern und rückt auch ihn in die Sphäre des Poſeidonzorns.
Wenn ſie danach den Angel⸗ und Höhepunkt der Dichtung Lezeichnet, und ihre Bedeutung eigens und gefliſſentlich vom Dichter emporgehoben iſt, dann muß von ihm ein anderer Schluß beabſichtigt geweſen ſein, als den wir jetzt leſen. Wir geſellen uns damit von einem neuen Geſichtspunkte aus den Gegnern von Rhapſ. 23, 296 ff. und 24 zu. Denn ſicherer iſt kaum ein Ergebnis der Kritik und allgemeiner anerkannt, als die ſpätere Zufügung dieſes Schluſſes. Und das ſtand in guten Rechten. Es wäre ſonſt nicht möglich, daß die hierin entſcheidende Schrift, an der nicht mehr gerüttelt wird, bereits ſo frühe erſchienen iſt, daß derjenige heute ein trisaecli- senex wie Neſtor ſein müßte, der ſie als Student geleſen haben wollte. Meines Wiſſens ſteht es in allen hiſtoriſchen Wiſſenſchaften einzig da, daß ein im Jahr 1815(reſp. 1816 erſchienenes Buch derart die meta der Wiſſenſchaft bezeichnet wie F. A. W. Spohn’'s: Commentatio de extrema Odysseae parte inde a rhapsodiae 23 versu 297 aevo recentiore orta quam Homerico. Lips. 1816, und ſchon 1815 die pars prior, bis auf Anfang und Schluß gleichlautend. Es iſt die Güte der Sache wie der Arbeit, die ihrem damals jugendlichen Vertreter ſolchen Triumph gewann. Frei⸗ lich iſt die Anfechtung des Schluſſes ſchon 2000 Jahre alt. Ariſtophanes von Byzanz und Ariſtarch, die erlauchten Kritiker, die principes artis criticae wie Wolf, Spohn, Lieſegang und Sengebuſch ſie nennen, ſtimmen darin überein.
Die Wiener Scholien(Buttm. 1. c. p. 553) ſagen zu% 296: Aptoroꝓᷣdvνν al Aplorapxo⁵ nẽ᷑ραν Ouοαεας τοουσ τπωιαοvvιοα; die Harlejaniſchen: 100 o de eos iſc Ov*œεας ρmισ AFlorapνος α Aeοεαταοιρσςἀπς. Ausführlich verbreitet ſich über die Stellung beider Kritiker Euſtathius und bekämpt ſie mit Gründen, die dann die gelehrte Frau Dacier aufgenommen, und die Alex. Pope von ihr abgeſchrieben hat. Uebrigens kennt Euſtathius die beiden großen Kritiker offenbar ſelbſt nicht, führt ihre Gründe nicht an ¹), und meint ſogar: skwor àv 05v ig, b Aplorapoꝓ Atoᷣdvve bt Py devre 05 e iAlov vic OSvOoPelac, AA Toe Alte rane vode eEOan Haoky. Und noch eine merkwürdige Stelle finden wir bei Buttmann 1. c. aus Schol. Q: An? 1o 0 o Aerröve. Ay T de aetevoy Ayey, 55 Ooy varipxetar ueε.οε κ. Butt⸗ mann ſagt: quo pertineat scholium non liquet. An ad pexloεvr. v. 3302 Da die Scholien be⸗ kanntlich oft zu falſchen Verſen gerückt ſind, wäre Buttmanns Aushilfe annehmlich, wiewohl nav T³. r. X. dann erſt recht unverſtändlich würde. Nein, Q ſagt, von p und w, den beiden Rhapſodien an, faſſe er ſich kürzer mit ſeinen Gloſſen(b J.?= NXornhy Jewrövc); denn alles vom Anfang Herabkommende komme nicht als ſelbes(und gleich gutes) bis zum Ende, d. h. auch die
¹) Wolf bemerkt Proleg. p. 136: illorum autem veterum disputationes parum fideliter nobis traditae.


