Aufsatz 
Das epische Thema der Odyssee und die Tiresiasweissagung / von Ludwig Schädel
Entstehung
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man mir folgende kleine Conjektur geſtattet, die ich nach dem Hervorgehobenen wohl kaum mehr aus⸗ zuſprechen brauche in 9, 551 ff.:

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DPiac lepà ax Iooeiddoy vaxt,(= à 130))

nXdANva; al pl Ekaov*) 5 0d Sſero 1905). Den ſchwarzen Widder, Poſeidons Lieblingstier, von ſeiner Lieblingsfarbe, opfert er am Meeresufer dem Zürnenden, opfert ihn umſonſt.

Aber vielmals hat der verdiente Homerforſcher Kirchhoff gegenüber Düntzers ungeſtümer Jagd auf Interpolationen betont, eine jede Interpolation müſſe pſychologiſch verſtändlich gemacht werden. Und der pſychologiſche Grund liegt hier nicht ferne. Wird doch im Folgen⸗ den erzählt, daß die letzten Gefährten im letzten Schiffe(Aoag nävras Sralouꝓ 534) wegen des Frevels am Helios durch Exekution des Zeus zugrunde gegangen ſind, und dieſe Er⸗ wägung mag einen auf die Einheit der Dichtung gerichteten Redaktor die Verſchlimmbeſſerung des Poſeidon in den Zeus an unſerer Stelle abgewonnen haben. Uebrigens gilt a parte potiori, daß die Genoſſen von den Läſtrygonen verderbt worden ſind(elf Schiffe von zwölfen), deren Kampf⸗ weiſe(Steinwerfen, Menſchenfreſſen) und rüſtigen Kräfte, ebenſo wie ihre bloße Viehzucht, ſie zu Poſeidon in ein näheres Verhältnis ſtellen; zu geſchweigen, daß die ſpätere Sage den Antiphates zu einem Bruder des Polyphem mache. An dieſe Läſtrygonen dachte aber der Redaktor um ſo weniger, als ihr Auftreten beim Homer an einer gewiſſen Unbegründetheit leidet und nicht offen einem Gotte zugeſchrieben wird.

Zu unſrem eigentlichen Gegenſtande, der Weiſſagung des Tireſias, haben wir uns durch den Nachweis, daß der Zorn des Poſeidon der leitende, ſozuſagen der epiſierende Gedanke der Odyſſee iſt, die Unterlage geſchaffen. Vergegenwärtigen wir uns, wie dieſe Weiſſagung(11, 100 sqq.), die vom Dichter mit ſo unerhörtem Apparat ins Werk geſetzt wird, daß die erſte Nekyia, ſoweit ſie echt iſt, ihr gewiſſermaßen zufälliges, im Zuſammenhang nicht ſtreng begründetes Anhängſel iſt; und daß die göttliche Kirke zuerſt feierlich auf ſie hinweiſt, hernach dienend ſie ergänzt daß dieſe Weiſſagung doch in Wahrheit nichtskenthält als die ferne Zukunftsaufgabe, eine Verſöhnungswall⸗ fahrt für Poſeidon⁴), denn vor dem Heliosfrevel warnt auch Kirke, und was ſie in 10, 539 in Ausſicht ſtellt: 5 néy ro elnoy 585v al Lra eee das muß ſie hernach ſelbſt beſorgen).

¹) Lieſegang de extrema Odysseae parte dissertatio.(Progr. Bielefeld, 1855. Ich verdanke ſeinen Gebrauch der Bielefelder Gymnaſialbibliothek.) p. 6 factum, ut quaedam vocabula quasi certam atque statutam in versu sedem occuparent. In der That erſcheint aus metriſcher Gelegenheit Poſeidon beſonders in den obliquen Caſibus in der Odyſſee, ſoviel ich zähle dreimal ſo oft im fünften Fuß wie in dem zweitgelegenſten, dem zweiten.

²) Man darf ſagen, daß die Konſtruktion rod 8 ½¾[pssag t5&] rd νuα 5αιοv homeriſcher iſt, als was jetzt geleſen wird rdv esᷣas Znvt unpt' ixxtov.

²³) Uebrigens können dieſe Verſe an vielen Stellen gerecht ſein, und ſie fallen nicht unter den Begriff Nitzſch's: Wiederholung deſſelben Verſes in Diaskeue.

) Die beiden der Weiſſagung gewidmeten Schriften von Mayer und Jäckel(bei Bernhardy und im Anhang von Ameis genannt) ſind mir nicht bekannt. Was die neue 5. Aufl. von Bonitz' Schrift aus der Jäckel'ſchen gibt, zeigt eine andere Beweisführung.

⁵³) Es iſt richtig, daß der Dichter die Vorausſage der Wege nicht gar zweimal hätte bringen, und damit alle Spannung hätte wegnehmen dürfen. Aber es kann nicht angegeben werden, warum ſich das alles nicht paſſender von Tireſias ſtatt von Kirke hätte ſagen laſſen wenn er nicht eben die einzigartige Bedeutung der Salzwallfahrt hätte hervorheben wollen.

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