Aufsatz 
Das epische Thema der Odyssee und die Tiresiasweissagung / von Ludwig Schädel
Entstehung
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ſendet ihm Späher voraus nach Ithaka und gibt ihm dann eine Armee mit zum Kampfe gegen die Freier. Das hat ſpätere Geſchmackloſigkeit aus der nount der Phäaken und aus der Hilfe Athenes gemacht! Aber der Ausdruck W. TeuffelsWunder⸗ und Schwindellitteratur iſt dennoch zu hart. Lieber noch Müllenhoff's Wort:Spielmannsvarianten. Es ſind gewiß einzelne kritiſch verwendbare Reſte aus dem Kyklos hier erhalten.

Da dieſe ſpäteren Verzerrungen der Sage nicht allzu bekannt ſind ¹), habe ich gerne etwas aus⸗ führlicher darauf hingewieſen; aber eine beſſere Motivierung für den Zorn des Poſeidon haben wir bei ihnen nicht gefunden: die entführte Tochter iſt nichts als eine geſchmackloſe Deutung der Blendung, die zu kraß erſchien. Statt der rieſigen Verhältniſſe bei Homer iſt hier alles ins Kleine und Menſchliche verſunken, am elendeſten iſt Odyſſeus ſelbſt zuſammengeſchmolzen, und auf die ganze Geſellſchaft können wir nur Polyphems Worte IX, 515 anwenden:»öv 36 H' 80y X-Tos ts Xab ο0 tSavg n ttg.

Nur eine Stelle ſcheint der von uns aufgezeigten Geſchloſſenheit des Zuſammenhangs der Odyſſee durch den Poſeidonzorn entgegen zu ſtehen, und ſie allein möchte diejenigen begünſtigen, welche in der Odyſſee mehrere pfwss finden wollen. Es iſt die Stelle 9, 551 ff. Soeben hat Polyphem den furchtbaren Fluch ſeines Vaters auf den Odyſſeus herabgefleht, da wirft ſich der Bedrohte dem zürnenden Poſeidon entgegen und fleht wen? den Zeus um Erbarmen an; jedoch 5 ˙ 0 ¾ 2d o 196v, IAA 5 Ts LsPibey, 5ςᷣ μeCνοαν οαν vV 0,XLO Al 2O* SLe Sratot. Hier wo Poſeidons Zorn, ſeine Erbarmungsloſigkeit ſtehen müßte, ſteht die des Zeus, welcher als 56wO5 ²) ſoeben von Polyphem aufs äußerſte beleidigt wurde, und der dem Odyſſeus ſonſt überaus freundlich ſich erweiſt, und den Helios Od. 12, 377 erſt durch die alleräußerſte Drohung viel ſpäter zu dem bringen konnte, was nach dieſer Stelle ſchon jetzt bei ihm feſtgeſtanden hätte. Zudem welche unhelleniſche Pietätloſigkeit, hier die rechte himmliſche Inſtanz zu umgehen und ſich an die nicht beteiligte Gottheit zu wenden: das iſt einfach unerhört im Homer! Sieht ſchon dies alles nach einem quid pro quo aus, ſo iſt auch der ganze Zuſammenhang der Stelle nicht geeignet, einem anſtößigem Stücke Halt und Feſtigkeit zu gewähren: es iſt ein recht brüchiger Uebergang. Er⸗ klärlich genug, denn es fiel zwiſchen zwei Rhapſodien, wo die dr6lXw'pts ſtattfand, und von der Verteilung der dem Polyphem geraubten Tiere ³) an bis zum Beginn des Aeolusabenteuer,* 1 iſt nichts verläßlich. ¼ 565. 566. ſind formelhaft und ſtehen auch t 63. und 10, 134. ¼ 105 zeigt natürlich nur den erſten Vers. Sie leiten K ein. Von v 556564 aber gelten des Euſtathius Worte: ekra Sta‿εαέο Gtiννν νε- Sv Tc evOGVO CsI Sattoe al dwOV a deno, oXο νμα αεναα, POOta SA.*εꝙοa.

Aber, um einen Ausdruck Kirchhoffs zu gebrauchen(den er übrigens Leſſing entliehen hat) es verwandeln ſich alle jene hervorgehobenen Unangemeſſenheiten in ebenſoviele Angemeſſenheiten, wenn

¹) Welch unzutreffendes Urteil über Dictys enthält z. B. Nicolai's Gr. Litteraturgeſch. Er leugnet, daß ein griechiſcher Dictys vorhanden geweſen ſei!

²¹) Etwas anders, aber keineswegs beſſer, wird die Sache, wenn man ſich wie die Alten hier den Zeus pöstos oder 0Grno angerufen denkt.(Euſtath.) Es gibt aldann eine Inſtanzenübergehung.

²³) Wie man Kalypſo zu einer Doublette Kirkes gemacht hat, könnte in der urſprünglichen Sage der Frevel am Poſeidon im Raube jener vom Polyphem gehüteten Tiere beſtanden haben, analog dem an Helios.