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Frevler und dient den Plänen des Poſeidon, der ſie übrigens ſonſt wohl ſelbſt programmmäßig(5242⸗ r.) vollzogen haben würde. Aus dem allgemeinen Untergange rettet göttliche Beihülfe(12, 448) den Odyſſeus zur Kalypſo, die ihn ſieben Jahre verweilt. Auf Befeyl der Götter entläßt ſie ihn endlich, aber den Helden, ſchon der Heimat nahe, wirft Poſeidon nach langer¹) Fahrt in neue Sturmesnot. Verhindern kann er es jedoch nicht, daß Odyſſeus nunmehr zu den Phäaken gerettet wird, von wo ihm die Heimkehr gewiß iſt. 56 o vOv ad, oà ady A6 ata byroy, eis 6 εy dxνν ρινιαιισιι υνοεεεεεοασ urTInhs; 3XX“ 258 e e ene vdeeet ar roc²). Od. 5, 377 sqq. Sorglich bringen die Phäaken den ausdauernden Dulder heim, und Poſeidon kann ihr Werk nicht ſtören, weiß er doch überdies, wieviel Unheil dem Verhaßten zuhauſe bereitet iſt. Vor 9 Jahren war die That am Polyphem geſchehen, und ſeit 4 Jahren umdrängen die Freier des Odyſſeus Weib, verpraſſen ſein Gut, verhöhnen ſeinen Sohn. In Bettlergeſtalt, dem Hohn der niederſten Magd, des armſeligen Ziegenhirten ³) ausgeſetzt, nimmt er den Kampf mit den Freiern auf ¹).
Aber von dem Augenblicke an, wo Odyſſeus den phäakiſchen Boden berührte, hat ſich ſein Schick⸗ ſal inſofern völlig gewendet, als jetzt Athene mit aller Gunſt und Kraft ihm zur Seite tritt in einer ſelbſt mancher Spöttelei ausgeſetzten kleinlichen Fürſorglichkeit ²). Bis dahin war ihr die Scheu maßgebend geweſen, gegen Poſeidon zu kämpfen, albero vdn æ πτρνοοααχσααιννχνναον 329 und» 341. Hatte Odyſſeus das Phäakenland erreicht, dann war er im Aſyl 59: Lo ro östho evat, 359. Man hat ent⸗ ſchieden den Eindruck, daß Odyſſeus auf Scheria völlig gerettet iſt, der Zorn Poſeidons dann nur noch die längſt eingeleiteten hlrara sy ne für ihn übrig hat, bei deren Ueberwindung ihm aber andre Götter offen beiſtehen dürfen, da Poſeidons auch formelle Verſöhnung durch 11, 119 und die Parallele in Rhapſ. 23 gewahrt iſt. Die Phäaken haben von den Göttern, und urſprünglich wohl vom Poſeidon 6) ſelbſt, ein Gnadenrecht unverbrüchlich ſicherer Heimſendung über Meer erhalten, welches das Fluchrecht des Poſeidons bricht und aufhebt*). War unterdeſſen doch auch Telemach mit dem Poſeidonsenkel Neſtor in ein allernächſtes Verhältnis getreten, welches die ſpäter genealogiſche Sage nach Od. 3, 466 ſogar weiter ausgebeutet hat. Die Telemachie iſt ein von Athene wohl geleiteter Schritt zur Verſöhnung Poſeidons, und ich denke der Anfang von„ z. B. v. 43. 54. 55. 60, das gemein⸗ ſame Opfer des Poſeidonenkels und des Telemach für den Meeresgott, iſt inſofern eine ſtarke Klammer, die dieſen Teil des Epos in das Ganze bindet ⁵³). In gleich enge Beziehung ſtellt die Ilias den Neſtor zum Poſeidon: recht bezeichnend iſt N 554.
¹) Bergk hat ſie allerdings etwas kürzer gemacht: Griech. Litt.⸗Geſch. S. 658.
²) Die αναέ ε˙—ᷣ iſt das Leid in Ithaka, nicht was der ohnehin allſeitig verdächtigte Vers 388 enthält, und was wohl nur eine ungeſchickte Ausmalung des 3.6, v 377 iſt.
³) Daß es gerade der Hirte der dem Poſeidon lieben Ziegen iſt, mag Zufall, nicht Motiv ſein.
⁴) Wir gedenken die Uebermalung des Freierkampfes(Meduſa u. dgl.!) nicht in Schutz zu nehmen als urſprünglich; aber wenn Adam eine geringere Zahl Freier wünſcht, ſo hätte er ſich für die Zahl 20 lieber als auf Penelopens Traum (der auch nur auf zwei tötende ſchließen ließe) auf Dictys VI, 6 berufen möge, der 30 Freier hat.
³) Attiſcher Einfluß läßt den Odyſſeus von Scheria an derart in Athenens Hut treten, daß man ſich an Eugamons Telegonie erinnert ſieht, wo ſie um ſeinetwillen gar mit Ares kämpft.
³) Von Poſeidons Verwandtſchaft zu den Phäaken iſt es unnötig zu reden. Aber einen feinen Zug ihrer beſonderen Beziehung zu ihm ſehe ich bei Demodokos Geſange, wo ausdrücklich geſagt wird, Poſeidon allein habe eine ernſte Hal⸗ tung bewahrt. Nach Od. 6, 266 ſteht am Markte der Phäakenſtadt aαακο IIoοιιιιν dορς.
¹) Eine tiefſinnige Verſöhnungsidee iſt hier nicht zu verkennen.
³) Hierüber mehrfach Kirchhoff in den beiden Werken von 1869 und 1879. Das 106c⸗ 3, 466 erklärt übrigens Buchholtz (homer. Realien) durchaus irrig von eigener Beteiligung beim Baden, wovon die Stelle 7, 296 genügend überzeugen kann.


