Aufsatz 
Plinius der Jüngere und Cassiodorius Senator : kritische Beiträge zum 10. Buch der Briefe und zu den Varien / von Ludwig Schaedel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

34

Buat in den Abhandlg. der bayer. Akad. München 1763. Er hatte noch zu beweiſen, daß Caſſiodor und Senator dieſelbe Perſönlichkeit ſeien. Seine Irrungen rügt Thorbecke S. 36, zum Teil zu ſcharf. Clinton, der ſich um die Caſſiodorii auch ſonſt Verdienſte erworben(Var. 3, 28 iſt an Caſſiod. Vater gerichtet,«who is absent during the secretarys presence at court»), giebt die knappſte Üüberſicht: Fasti Rom. vol. I, p. 711: 1) Cassiod. who defended Sicily against Genseric; 2) Cass. the companion of Aetius and ambassador to Attila; 3) Cass. who was comes sacrar. largit. under Odoacer and patricius under Theoderic; 4) Cass. Senator who was quaestor etc. unſer Held.

III) zu Seite 10. Hier können nur die Ergebniſſe kurz angedeutet werden, welche für die Geſchichte des praef. praet. Fauſtus ſich aus den Var. gewinnen laſſen. Var. 3, 20 zeigt ſeine Stellung bedroht, da er gewinnſüchtiger Handlungen verdächtigt war. In 3, 21 erhält er für 4 Monate Urlaub. Es iſt vielleicht von Bedeutung, daß der frühere praef. urb. Artemidor jetzt in den Komitat berufen wird, deſſen erprobte Redlichkeit 2, 34 gelobt war; wohl in ähnlichem Sinne 3, 28 Caſſiodor, Vater. Unterdeſſen war gegen den bedrohten Fauſtus in Johannes, dem Statt⸗ halter Campaniens 3, 27 ein ſiegreicher Gegner erſtanden, und Fauſtus wird abgeſetzt. Allein 3, 47.51. 4, 36. 38. 50. erſcheint er nicht nur wieder als praef. praet., ſondern in nahem Verhältnis zu unſerem Senator, der ſich in Schreiben an ihn ergeht und das horaziſche desipere in loco hier anwendet(4, 50). Es iſt anzunehmen, daß der heftige Theoderich durch Caſſiod. Vater von ſeinem Unrecht gegen Fauſtus überzeugt ward: ein Müller Arnold ſcher Prozeß?

IV) zu S. 10. Was über Senarius in Var. geſagt iſt, würde ihn, wenn er nicht Senator iſt, zu einem unheim⸗ lichen geiſtigen Doppelgänger desſelben machen 4, 34: Nie werden über einen anderen ähnliche Ausſprüche im Verein gethan.(Claritas originis; humilitas tam clara quam rara des Charakters; in adolescentiae ipso flore in hohen Staatsämtern; multorum conscius, cum plura nosses; pronuntiatio tua, eloquentia, studium tuum; continuus labor; arcana nostra claudebas; non unius loci vir debet dici, a quo multo videntur impleri(= Var. 9, 24 über Senator) und Senator verrät ſich als den beglückten Adreſſaten durch den gehobenen Ton wie in 9, 24; 25: garrula res est laetitia; necenim prae gaudio potest spiritus contineri).

V) zu S. 14. Zu dem edictum Theoderici ſetze ich F. Dahns Unterſuchung voraus und hoffe, ihre Ergeb⸗ niſſe zu erweitern. Die Echtheit beruht zwar nur auf dem Pithoeus, iſt aber nicht anzufechten(vgl. Heimbach, Gotiſches Recht in Erſch und Gruber). Gälte es aber für Italien, dann wäre undenkbar, wie Senator bei den flagranteſten Fällen es ignorieren ſollte(§ 110 qui sepulchrum destruxerit;§ 115 gegen Unterſchleif;§§ 79. 80. 96 gegen Verknechtung Freier;§ 21 gegen Entführung;§ 84 gegen flüchtige Sklaven;§ 20 raptus innerhalb eines quinquennium klagbar;§ 57 gegen Pferderäuber lauter Betreffe bekannter Varien); ja faſt zu allen Varien ließe ſich ein Paragraph des Edikts citieren und es geſchieht nirgends; Var. 2, 25 wird ſogar mit vollſter Unbefangenheit edictum Theoderici regis überſchrieben. Dagegen paßt der Inhalt des ed. Theod. vielfach nicht nach Italien: ſchon die Todesſtrafe auf Heidentum§ 108, da kaum erſt Schenkl und Uſener den Boethius(vorſichtiger wie J. Kreyher ſoeben wieder den Seneca!) dem Chriſtentum neu gewonnen haben.(Die alte Litt. darüber bei Obbarius.) Zwar ſcheint ſich die Frage dadurch zu entſcheiden, daß im Edikt in§§ 10 und 111 als Geltungskreis auch intra urbem (Rom) bezeichnet wird; allein dagegen ſei bemerkt, daß auch die lex Visigoth., die doch ſicherlich niemals für Rom Rechtsgiltigkeit hatte, Beſtimmungen für die Stadt und magistratus urbani enthält. Das ſind Wendungen, durch welche die ideelle Einheit des Römerreichs gewahrt werden will. Weil das ed. Theod. für Spanien galt, lehnt ſich die lex Visigoth. in ihrem Grundſtock ſo entſchieden daran an, wofür ſich ſonſt in aller Welt kein Grund zeigen läßt. Daß aber Theoderich gar ſehr in der Lage war, in Spanien Geſetze zu erlaſſen, zeigen mit Prokop die Varien. Unſere

Anſchauung wird durch den epilogus des Edikts beſonders beſtätigt(persona potentior aut ejus procurator paßt auf

Theudes oder Geſalich). Die Worte der excerpta Vales.§ 60 ut a- Gotis secundum edictum suum, quem eis constituit rex fortissimus in omnibus judicaretur, die übrigens einer von Dahn verſuchten Konjektur recht bedürftig erſcheinen, ſind von der Verordnung des Jahres 500 zu erklären. Im ed. Theod. lagert übrigens auch noch viel Altgermaniſches: allein in§ 74 finden wir das gehegte Gericht(plantatum jurgium) und die Schöffen (boni viri). 3.

VI) zu S. 22. Auch in den religiöſen Wendungen deo juvante u. dgl. beſtehen bei Senator gewiſſe Moden, was ſich bei Thorbecke darum nicht erkennen läßt, weil er ſichtlich aus jedem Buche je einen locus probans dar- bietet, nicht aber auf Vollſtändigkeit abſieht. Ich hoffe ſeine Angaben S. 57 durch nachſtehende Sammlung lückenlos zu machen: auctore deo 6, 9; deo juvante 3, 2. 34. 5, 23. 43. 7, 25. 26. 8, 5. 9, 8. 10, 3. 11, 7. 8(zweimal). 12, 27; juvante deo 5, 23. 8, 29. 9, 19. 24(zweimal). 11, 4. 9. 8(zweimal). 12, 15; deo auxiliante 5, 15. 19. 20. 38. 12, 2; auxiliante deo 3, 25; praestante deo 10, 1. 11, 4(Thorb. dafür deo praest.); deo praestante 9, 9. 10; propitia divinitate 6, 10. 7, 2. 3. 26. 8, 11. 16. 10, 6. 11, 21. 12, 11; divinitate propitia 8, 4. 8; juvante domino 11, 5(zweimal). 8. 12, 5; propitio deo 8, 2; deo propitio 11, 8. Die Umkehrungen hat