Aufsatz 
Plinius der Jüngere und Cassiodorius Senator : kritische Beiträge zum 10. Buch der Briefe und zu den Varien / von Ludwig Schaedel
Entstehung
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Thorb. nicht beſonders gegeben; ſonſt fehlt noch bei ihm: auctore deo, propitia divinitate und juvante domino, propitia divinitate. Zu einigen Wendüngen finden ſich weitere als Thorbeckes Belegſtellen nicht. Die weit überwiegende Mehrheit dieſer Phraſen findet ſich wie bei Ennodius in den ſpäteren Büchern(allein in 11, 8 deren fünf!); das zweite Formelbuch(lib. VII) teilt, wie bei den Exkurſen, die Eigentümlichkeit ſeines Kollegen nicht. Wenn wirklich, wie ich annehme, zwiſchen der Abfaſſung der erſten 4 Bücher und der des 5. der Zeitraum faſt eines halben Menſchenalters liegt, ſo würde dies zur Anbildung einer Redegewohnheit genügen, die mit der allmählich ſtrengeren religiöſen Haltung Sena⸗ tors übereinſtimmt. Denn die Schlußredaktion hat gewiß eher den Inhalt als neutrale Formen betroffen. In anderer Hinſicht giebt es zu denken, daß bei den niederen Ernennungen 7, 319 jene Wendungen fehlen. Sie ſind die erratiſchen Vorläufer der mittelalterl. invocatio in Urkunden.

VIh zu S. 31. Eine neueſte ſcharfſinnig begründete Vermutung ſieht in dieſem Petrus Patricius den Üüberbringer desgotiſchen Weihnachtsfeſtſpieles, welches Konſtantin Porphyrogennetos uns erhalten hat(de cerimoniis aulae Byzantinae in corp. scriptorum hist. Byz. Bonnae, vol. I. 1829.) in lib. I, cp. 83, p. 383. Übrigens ſind die gotiſchen Beſtandteile des Sanges geradeſo bequem deutbar wie das gotiſche Lied bei Busbeck oder im altlatein. Gebiet wie die Duenosinſchrift! Petrus war aber als Ceremonienmeiſter in der Lage, dergleichen einzuführen.

VIII) zu S. 32. Wer nach Spuren redaktioneller Einſchiebungen im einzelnen jetzt ſchon ſucht, möge die Be⸗ zeichnung der Neapolitaner als gravissimus populus 6, 23(nach Prok. 1, 8), oder die reges aliter induti 12, 25 (cf. Ildibads und Urajas Frauen, Prok. 3, 1) und andere ſonderbare vaticinia post eventum beachten! Var. 5, 33 vielleicht zu Prok. 3, 1 des Uilas Rache.

IX) zu S. 33. Nur die hohe Königsidee, welche die Pſalmauslegung ſonſt darthut, zeigt etwas wie einen un⸗ willkürlichen Abglanz von der Größe Theoderichs, da den König(Var. 7, 32) subjectus corde venerari debet.% 50: quando rex delinquit, soli deo reus est; oder zu% 43, 10 wird das Bild des wahrhaften und gerechten Königs würdig beſtimmt: princeps enim dictus est quasi prima cupiens, 2. Möchte die neue Varienausgabe bald erſcheinen: ein dringenderes Bedürfnis als die Symmachusausgabe, für die doch W. S. Teuffel den biſſigen Ausſpruch that, man werde dafür gerne einige Dutzende unnützer Horatiana hingeben.

Inhaltsüberſicht.

(Die tiefſtehenden Zahlen bezeichnen die Seiten der Abhandlung.)

Grund für die Zuſammenſtellung der beiden politiſchen Briefſammlungen; die Litteratur über Plinius iſt reich⸗ haltig neben der ſehr ſpärlichen über den Caſſiodorius Senator, 3. Bisher wurde das 10. Buch der plinianiſchen Briefe ſchlechtweg für Geſchichte genommen. Aber dem Zutrauen auf ſeine unbedingte Verläßlichkeit ſteht die Wahr⸗ nehmung im Wege, daß Plinius alsdann zuwenig gewußt und zuviel gefragt haben müßte, 4. Sonſtige Schwierig⸗ keiten bei der Annahme eines eigentlichen Briefwechſels mit Trajan. Daher ſind einige Gegner der Echtheit dieſer Briefe aufgetreten, beſonders Semler,. Die äußere Bezeugung der Echtheit: das 10. Buch erſt ſeit 1502, und zwar erſt nur teilweiſe, aus einer Handſchrift bekannt,, die ſeit 1508 verſchollen iſt. Iſt Wilhelm Buddäus ein zweiter Zeuge für dieſe Handſchrift? Wie hat man die überarbeitung des 10. Buchs ſich näher vorzuſtellen?. Ver⸗ hältnis des Senator zum Plinius. Zweck der Abhandlung über den Senator: Ergänzung von Dahn und Thor⸗ becke,. Senator wird in der Litteratur ſeiner Zeit trotz ſeiner großen Stellung ignoriert: ſo von Boethius, Prokop, Ennodius. Vogels irrige Begründung für das Schweigen des Ennodius über den Senator,. Doch iſt ſein Senarius vielleicht unſer Senator, 1w. Sonſtige Gründe, weshalb Ennodius den Senator nicht ausgezeichnet haben wird, zumal die Korreſpondenz des Ennodius vor die Zeit der politiſchen Größe des Senator fällt,. Die Varien, das ſchrift⸗ ſtelleriſche Denkmal derſelben, reichen keineswegs über einen vierzigjährigen Zeitraum hinweg, 12. überſicht über die Stoffe, welche dieſelben darbieten, 1a. Beweis, daß die Varien prinzipiell chronologiſch geordnet ſind und die Bücher I IV die Zeit von 507 511 betreffen, 14. Jener Brief, der die ſog. Zülpicher Schlacht angehen ſoll, ſteht dem nicht im Wege, 1z. Die chronologiſche Anordnung der übrigen Bücher. Warum es deren zwölf ſind. Zeugniſſe aus

dem Varientexte für die Abkürzung der Kanzleivorlage, 16. Sonſtige Beiſpiele für Änderung des urſprünglichen Textes 5*