Aufsatz 
Die Königsstühle bei Mainz und die Wahl Konrads II / von Bernhard Schädel
Entstehung
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3⁵ dieſer Erwähnung Wipos auf ihr einſtiges Daſein ſchließen. Denn wenn in Deutſchland damals überhaupt Königsſtühle vorhanden waren, wo konnten ſie anders ſtehen, als bei Mainz, dem Sitze der höchſten Reichsgewalt, an dem in jener Zeit die Königswahlen vollzogen wurden?

Von dem unglücklichen Kamba, das in den Erdboden verſunken iſt, wiſſen wir nicht, daß es einen Königsſtuhl getragen hat allein ſchon die Nähe des Lörzweiler Stuhles macht das auch höchſt unwahr⸗ ſcheinlich während es als Verſammlungsort der ſüddeutſchen Freunde Berns von Reichenau gewiß ein ſehr geeigneter Platz war. Iſt unſere Deutung richtig, ſo iſt Kamba nämlich weiter nichts ge⸗ weſen, als ein Gutshof mit einer Brauerei. Camba iſt(nach du Cange) brassiatorum officina seu locus ubi cerevisia coquitur et conficitur. Eine camba durfte der Abt auf jedem Gutshofe haben, ebenſo wie eine Mühle. Cambam aperire heißt: apertam habere dominicam villam(und das war ja Kamba nach dem Lorcher codex, wie wir oben geſehen haben) in qua vicatim ac tributim panis ac potus ex hordeo coquebatur lucro domini. Cam bam vulgariter appellamus bachhus et bruhus(Ces. zum Urbar. Prüm S. 141). Brauereien waren im Mittelalter neben den Mühlen die größte Induſtrieanlage auf dem platten Lande(Lamprecht I, 586) und in früheſter Zeit in den Weingegenden weiter verbreitet, als ſpäter. Hauptſitz war im 9. Ih. bis tief ins 12. Ih. hinein das luxem⸗ burgiſche Gebiet und die Saargegend. Durch die zunehmende Wein⸗ produktion wurde ſie auch hier ſeit dem 13. Jh. faſt ganz außer Wettbewerb geſetzt. Seit dem 14. Ih. ſchwinden ihre Spuren auch an der Moſel. Ähnlich wird es wohl auch am Rheine geweſen ſein. Hiermit wird hoffentlich Kamba endgültig in den Erdboden verſinken. Iſt doch auch eher anzunehmen, daß ein Gutshof ſpurlos verſchwindet, als der Ort einer Königswahl, der Hunderttauſenden bekannt war.

Noch ein zweites Mal kam Konrad II. in der Nähe des Königs⸗ ſtuhls, an dem er gewählt worden war, vorbei, gefolgt von der Menge des Volkes, aber diesmal nicht im Triumphzug, ſondern im Trauer⸗ zug als Leiche.Dreißig Tage nachdem er entſchlafen zu Utrecht, erzählt Wipo, wird er in Speier beigeſetzt. Die Leiche wurde von der Kaiſerin und ihrem Sohne, dem Könige, ſo gut es nur erdacht