19 ſchichte des Mittelalters nachweiſen. Wenn wir darzuthun vermögen, daß an dieſem Königsſtuhl die Wahl Konrads II. ſtattgefunden hat, jene Wahl, die von der herkömmlichen überlieferung in die Ebene Oppenheim gegenüber verlegt wird, ſo wäre damit die Bedeutung dieſes zweiten Königsſtuhles vor allen anderen Königsſtühlen erwieſen und dem Mainzer Gebiete ſein lange beſtrittenes Recht wieder zuerkannt.
Um jedoch dieſe unſere Anſicht glaubhaft erſcheinen zu laſſen, dazu bedarf es, bei den widerſtreitenden Meinungen gerade über die wichtigſten Punkte der Frage, ziemlich eingehender Auseinanderſetzungen. Vor allem gilt es die Gründe darzulegen, auf denen die bisherigen Annahmen fußen, die ſämmtlich die Ebene Oppenheim gegenüber als Wahlſtätte erklären und die im Jahre 1800 zuerſt von Bodmann aufgeſtellte, aber mit unzulänglichen Mitteln verteidigte Anſicht von der Wahl bei dem Lörzweiler Königsſtuhle allgemein verwerfen. Wer kennt nicht die ſchöne Darſtellung der Wahl Konrads aus Uhlands„Ernſt von Schwaben“?
„Am ſchönen Rheinſtrom zwiſchen Worms und Mainz, Wo unabſehbar ſich die ebne Flur
Auf beiden Ufern breitet, ſammelte Der Andrang ſich.—“
Uhland hat ſich in ſeiner Erzählung der Wahl ganz genau an die Schilderung des Hergangs gehalten, die uns von Wipo, dem einzigen Berichterſtatter der Wahl, erhalten iſt. Wipo war Kaplan und Verfaſſer des Lebens Konrads II., einer der ſehr wenig zahl⸗ reichen weltlichen Biographien des Mittelalters. Er zeigt ſich als für ſeine Zeit ſehr gebildet und durchaus glaubwürdig, wenn auch nicht überall gleich gut unterrichtet, da ihn, wie er ſelbſt ſagt, Krankheit vom Hofe öfter fern gehalten habe. Allein ſchon die Schilderung der Wahl Konrads, welcher er beiwohnte, ſichert ihm, wie Wattenbach mit Recht ſagt, unſere Dankbarkeit. Wipo erzählt nun:„Zwiſchen dem Mainzer und dem Wormſer Gebiete iſt ein Platz von weiter Ausdehnung, welcher wegen ſeiner ebenen Lage eine ſehr große Menſchenmenge faßt und in Folge der Inſelverſtecke(wie man„ex insularum recessu“ überſetzt hat) für geheime Beratungen ſicher und geeignet iſt, doch über Name und Lage des Ortes genauer zu berichten, überlaſſe ich den Topographen, ich aber kehre zu meiner Aufgabe zurück.“—


