Aufsatz 
Die Königsstühle bei Mainz und die Wahl Konrads II / von Bernhard Schädel
Entstehung
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ſtruction des Rhenſer Stuhles entſpricht demnach im Großen und Ganzen der alten Geſtalt, und ähnlich, wenn auch wohl nicht ſo hoch, werden wir uns die beiden Königsſtühle bei Mainz vor⸗ zuſtellen haben.

Der erſte dieſer Königsſtühle, die wir betrachten wollen, lag in der uralten Königshundert, dem Vorlande von Mainz auf dem rechten Rheinufer, dem älteſten und am früheſten kultivierten Teile des Rheingaus, einem heute ſelbſt ſeinen nächſten Anwohnern ziemlich unbekannten Lande. Es mag daher entſchuldigt ſein, wenn wir dieſe hochintereſſante Gegend etwas eingehehender betrachten.

Die Verhältniſſe dieſes Vorlandes von Mainz zu den Zeiten der Römer waren folgende: Mainz gegenüber behielten die Römer, auch nachdem ſie auf die Herrſchaft im überrheiniſchen Land im all⸗ gemeinen verzichtet hatten, nicht bloß den Brückenkopf am anderen Ufer, das Castellum Mogontiacense, ſondern jene Mainebene ſelbſt in ihrem Beſitz, und in dieſem Gebiete durfte auch die römiſche Civiliſation ſich feſtſetten. Die warmen Quellen, aquae Mattiacae, wurden er⸗ weislich in Vespaſians Zeit(6979) und ſicher ſchon lange vorher von den Römern benutzt. Seit dem Ende des zweiten Jahr⸗ hunderts finden wir die Gemeinde der taunenſiſchen Mattiaker unter römiſch geordneten Behörden. Dieſe Ordnung, wie ſie uns Mommſen Bd. V darſtellt, die dem Landſtriche ſein beſonderes Gepräge auf⸗ drückte den Grenznachbarn gegenüber, hat offenbar dazu beigetragen demſelben ſeine abgeſchloſſene Selbſtändigkeit auch in ſpäteren Zeiten zu wahren.

Im Mittelalter erſtreckte ſich der Rheingau auf dem rechten Rheinufer vom Lobdengau bis zum Einrich d. h. von Weinheim a. d. B. bis unterhalb Lorch. Der Main teilte ihn in einen oberen und einen niederen Gau. Der niedere Gau aber ſchied ſich wiederum in einen ſüdlichen Teil, die Königshundert, und einen nördlichen Teil, den eigentlichen Rheingau im engeren Sinne. Die Königs⸗ hundert wird urkundlich zuerſt 820 erwähnt, der pagus Rhinensis, der Rinegowe ſeit 779. Die Waldaff, die bei Walluf in den Rhein mündet, ſchied die beiden Landſtriche voneinander.

Woher ſtammt nun der Name der Königshundert? Weil wir den Königsſtuhl daſelbſt finden, wird es nicht ohne Wichtig⸗ keit ſein, auch dieſer Frage etwas näher zu treten.