Aufsatz 
Die Königsstühle bei Mainz und die Wahl Konrads II / von Bernhard Schädel
Entstehung
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Die Königsſtühle bei Mainz und die Wahl König Konrads II.

12* nur von Menſchen, auch von Sachen gilt in gewiſſem 615 5 Sinne das Wort Schillers: der Lebende hat recht.

4 Was ſein Daſein oder eine ſichtbare Spur ſeines einſtigen Daſeins aus früheren Zeiten herübergerettet hat bis in unſere Tage, was in dieſem Sinne noch fortlebt, das hat auch ein Recht auf unſere Teilnahme, und der bloße Anblick ſelbſt des geringſten Ueberreſtes des ſonſt Geſchwundenen vermag oft in einem Augenblicke vor unſerem geiſtigen Auge ein Bild deſſen zu erwecken, das einſt war. Was wir mit Augen ſehen und mit Händen greifen, was uns den lebenden Beweis ſeiner einſtigen Exiſtenz gibt, das iſt uns um deswillen ſchon von beſonderem Werte, und mit Recht wenden wir ſeiner Sammlung und Erhaltung alle Sorgſamkeit zu.

Und doch läge ein gewiſſes Unrecht darin, wenn wir nur dem, was uns, wenn auch in noch ſo geringen Spuren, erhalten iſt, unſere Aufmerkſamkeit ſchenken wollten. Eine ausgleichende Gerechtigkeit verlangt, daß wir bei Erforſchung unſerer Altertümer auch dem uns widmen, von dem uns kein glücklicher Zufall ſichtbare Überreſte gelaſſen hat, auch dem, von welchem wir nur wiſſen, daß es über⸗ haupt einſt vorhanden und daß es von Bedeutung war. Iſt uns davon oft auch nur noch eine dunkele Kunde erhalten, ſo vermag doch vielleicht durch Vergleiche und Rückſchlüſſe in irgend einer Weiſe Licht gewonnen zu werden, und wir können im Geiſte erſtehen laſſen und in neues Leben rufen, was uns die Ungunſt der Zeiten geraubt hat. Und wo hätte ſie uns mehr geraubt, als gerade hier in Mainz und ſeiner Umgebung, auf dem klaſſiſchen Boden unſerer Stadt, die im Mittelalter der Sitz der höchſten Macht in deutſchen Landen war, in der