Aufsatz 
Errichtung des Staatsgymnasiums. - Eröffnungsfeier
Entstehung
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Sicher werden alle, die da berufen sind, nachdem der äußere Bau dieser Schule vollendet, den inneren geistigen Ausbau der Anstalt in Lehre und Wort zu fördern, dem Staate die Schuld ihres Dankes am besten ab- tragen, wenn sie mit dem festen Willen ihre Pflicht zu thun, an die ihnen gestellte Aufgabe herantreten.

Fragen wir nun, welches ist das Ziel, das wir zu erreichen suchen müssen, 8o wird sich die allgemeine Aufgabe des humanistischen Gymnasiums, seine Zöglinge zu rechtschaffenen, idealgerichteten und dabei im Leben tüchtigen Menschen heranzubilden, welche, wenn sie in akademischen Studien eine fachmännische Ausbildung ge- wonnen, fähig sein sollen, im Dienste der Kirche oder des Staates oder auch in leitender bürgerlicher Stellung die Führer ihres Volkes zu werden, des näheren als eine dreifache bezeichnen lassen: Die Gymnasialbildung soll 1) eine religiös-sittliche, 2) eine propädeutisch-wissenschaftliche und 3) eine deutsch-nationale sein.

Es versteht sich, daß trotz dieser Dreiteilung die erstrebte Bildung ein einheitliches, in sich geschlossenes Ganzes sein muß, dessen Lebensäußerungen und Ausstrahlungen nur je nach den Umständen verschieden erscheinen, wie die drei Seiten eines Krystallprismas in ungleicher Beleuchtung. Auch braucht kaum gesagt zu werden, daß die Schule eine solche Bildung nicht aus eigener Kraft in ihren Zöglingen schaffen kann. Sie kann nur deren Entwicklung fördern. Zur Blüte aber kann jene nur da gelangen, wo sie wurzelt in dem sittlieh gesunden Nührboden des Elternhauses. Ohne diesen bleibt alle Mühe der Schule vergeblich. Nächstdem freilich ist auch der günstige Erfolg ihres Wirkens von der Erfüllung verschiedener Voraussetzungen, die in ihr selbst liegen, abhängig. Die vornehm- lichste derselben ist die, daß die Einwirkung der Schule eine einheitliche und zielbewußzte sei, oder mit anderen Worten, daß das Lehrerkollegium selbst in allen seinen Gliedern von dem Geiste erfüllt ist, welchen es in seinen Schülern pflegen soll, und daß es denselben nicht nur in seinen Worten verkündet, sondern auch im eignen Leben bethätigt. Und wie es für das heranwachsende Kind von höherem Werte als alle Belehrung und Ermahnung seitens seiner Eltern ist, daß es in dem Vaterhause die rechte geistige und sittliche Lebensluft einatmet, so ist es für die glückliche Entwicklung des Schülers das wichtigste, daß die Atmosphäre der Schule eine sittlich gesunde ist und daß es ihm dort nicht an Vorbildern fehlt, denen er nacheifern kann.

Für keine Seite der bildenden und erziehenden Einwirkung von seiten der Schule hat das Gesagte in dem Mafze Geltung, wie für die religiös-sittliche. Gewiß soll ja der Religionsunterricht selbst die kräftigsten An- triebe in dieser Richtung geben. Aber er wird sein Ziel verfehlen und die Héerzen der Jugend nicht gewinnen, wenn nicht der gesamte Unterricht der Schule durchzogen und getragen wird von dem Wehen des Geistes Gottes. Die Furcht Gottes ist aller Weisheit Anfang, und in Christo liegen nach dem Worte des Apostels alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis, d. h. wo alle Menschenweisheit zu Ende ist und die dunkelsten Rätsel des Daseins nicht mehr zu entziffern vermag, da reicht uns der Glaube die helfende Hand. Der wahre Glaube aber ergänzt nicht nur das Wissen des Menschen, indem er ihm den Schlüssel bietet zu den letzten Problemen des Lebens, sondern er erschließt auch in dem Herzen des Menschen die lebendigen Quellen, welche sein Wesen läuternd durch- strömen und sein Leben fruchtbar machen an Werken der Gerechtigkeit und Liebe. Es ist das der Glaube, welcher, wie verschieden auch die Worte des Bekenntnisses lauten, doch alle frommen Menschen einigt in der Uberzeugung, daß es einen Gott giebt, der, wie er selbst heilig ist, auch will, daß alle Menschen heilig sind, und der schon zu Abraham gesagt hat, ich bin der allmächtige Gott, wandle vor mir und sei fromm.

Nur wenn die Schule auf diesem Ankergrunde des Glaubens, der sichersten Grundlage sittlichen Handelns baut, kann sie auch erbauen und heiligen, und nur auf ihm arbeiten nicht vergebens die Bauleute Sie kann sonst wohl auch Wissen und Kenntnisse vermitteln, aber ein Wissen, das nicht durchleuchtet ist von dem Strahle himm- lischen Lichtes, ist im besten Falle schimmernder Tand und giebt keinen Halt in den Stürmen des Lebens. Wo dagegen alle Lehrer sich verbunden wissen in dem einigenden Gefühle, auf diesem Grunde zu wirken, da kommt auch all das reiche Rüstzeug, welches die humanistische Schule für die wissenschaftliche Ausrüstung der ihr anver- trauten Jugend besitzt, zur vollen Geltung und Wirksamkeit.

Es ist ja selbstredend, daß, wenn von wissenschaftlicher Gymnasialbildung gesprochen wird, dies nur cum grano salis zu verstehen ist. Das Gymnasium kann und will seine Schüler nicht in die Wissenschaft selbst einfuhren, sondern kann sie nur in die Vorhallen derselben geleiten. Es setzt sich in seinem Unterricht auch nicht das Ziel, direkt für das praktische Leben vorzubereiten, sondern es will eine allgemeine Bildung geben und zu diesem Ende einesteils das Gedächtnis seiner Zöglinge mit einer gewissen Summe von Kenntnissen, die zu dem zriu es det eines jeden gebildeten Menschen gehören, erfüllen, dann aber namentlich ihren Verstand und ihr Urteil schärfen, sie zu selbstthätiger Geistesarbeit erziehen und ihrem gesamten geistigen Leben eine ideale Richtung geben.