Nach Schluß dieser Rede machte Se. Excellenz der Herr Ministerialdirektor Greiff die ganz unerwartete und alle Anwesenden umso freudiger berührende Eröffnung von einem Allerhöchsten Erlasse vom 8. April, durch welchen dem neuen Gymnasium die Bezeichnung »Kaiser Friedrichs-Gymnasium« beigelegt wurde, und knüpfte daran den Ausdruck der zuver- sichtlichen Hoffnung, daß dieses erhebende Zeichen Allerhöchster Huld und Gnade für die gegen- würtigen und alle zukünftigen Lehrer und Schüler der neuen Anstalt ein dauernder Antrieb sein werde, sich des hohen Namens mit innigem Danke für den erlauchten Geber würdig zu machen und daß auch die Stadt Frankfurt diesen für sie bedeutungsvollen Entschluß Sr. Majestät mit Freude und Dank begrüßen werde.
Der Direktor sprach hierauf im Namen aller Beteiligten seinen ehrfurchtsvollsten Dank für das Gnaden- und Patengeschenk aus, welches Se. Majestät der jungen Schule mit Ver- leihung Seines Kaiserlichen Namens in die Wiege gelegt habe, indem damit allen Gliedern der Anstalt ein Vorbild gegeben sei, welchem sie auf dem Wege der Pflicht nachzueifern hätten. Er schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät. Begeistert stimmten alle Anwesenden ein und sangen stehend den ersten Vers der Nationalhymne. Hierauf hielt der Direktor nachstehende Rede:
Die Werdestunde einer neuen höheren Schule in dieser an hervorragenden Unterrichtsanstalten so reichen Stadt hat geschlagen. Aus berufenem Munde haben wir soeben den Weihespruch vernommen. Es ist gebauet ein stattliches Haus, und nun soll, will's Gott, ein Geist, welcher der schönen Form nicht unwert ist, hier Einkehr halten und wirksam werden. Nur in Thaten kann er sich als echt erweisen, und»die Zeit nur läßt erkennen den gerechten Mann« sagt schon Sophokles. Gleichwohl erfordert es das in der Natur der Dinge begründete Herkommen, und gewiß ist es auch Ihr eigner Wunsch, verehrte Anwesende, daß ich schon in dieser Weihestunde Sie wenigstens einen Hauch des Geistes, der hier herrschen soll, verspüren lasse.
Unter allen Empfindungen aber, die denen, welche zur Arbeit hier berufen sind, heute durch die Seele ziehen, hat keine einen näheren Anspruch, im Worte ihren Ausdruck zu finden als das Gefühl des Dankes dafür, daß ihnen ein so herrliches Arbeitsfeld hier bereitet wurde. Und so sage ich denn den ehrerbietigsten Dank vor allem den hohen Staatsbehörden, welche die erste Anregung zu diesem Werke gegeben, und deren entschlossenem Eintreten es in erster Linie zu danken ist, daß in dieser altberühmten einstigen Reichsstadt der preußische Staats- gedanke in seiner Fürsorge für die Ausbildung der heranwachsenden Geschlechter einen so gediegenen Ausdruck, eine so stattliche Verkörperung gefunden hat; ich danke sodann der hochansehnlichen Vertretung dieser Stadt selbst, durch deren Opferwilligkeit es möglich geworden ist, daß an dieser lange Jahre dem Dienste des Asklepios zum Heile der Kranken geweihten schönen Stätte ein Sitz der Musen zur geistigen und leiblichen Pflege der Gesunden errichtet wurde. Ich danke ferner nach Gebühr der Bauverwaltung, welche den schöpferischen Gedanken dieses Baues geboren und seine Durchführung mit regem Eifer und nimmer rastender Fürsorge geleitet und überwacht hat. Dank endlich, innigen Dank auch Ihnen, hochgeehrter Herr Kollege Reinhardt, der Sie durch bereitwillige Ubernahme eines Teils der unerläßlichen Vorarbeiten uns hier die Wege geebnet haben!
Ich bringe den Zoll des Dankes dar im Namen der Schüler, zu deren Frommen diese Palästra erbaut, auf daß sie in ihren weiten Hallen die Kräfte des Leibes und der Seele entwickeln und Gott zu Ehren und ihrem Vaterlande wie sich selbst zum Nutzen gebrauchen lernen, im Namen der Lehrer, welchen in den nach den Regeln moderner Technik trefflich ausgestatteten Räumen alle Mittel geboten werden, mit gedeihlichem Erfolge an ihrem Werke zu wirken, und endlich auch in meinem eigenen Namen.
Ich danke meiner vorgesetzten Behörde für das ehrenvolle Vertrauen, welches sie mir bezeigte, indem sie mich zur Leitung dieser neuen und schönen Anstalt ausersah, ich danke insbesondere Ihnen, hochgeehrtester Herr Provinzial-Schulrat, für die wohlwollenden Worte, in denen Sie soeben mir und dem gesamten Lehrerkollegium Ihr Vertrauen kund gegeben haben. 1
Mag Gott meine Kraft stärken, daß ich dieses Vertrauens mich würdig erweise und das Gefühl tiefster Erkenntlichkeit, welches in dieser feierlichen Stunde meine Brust erfüllt, in Thaten umzusetzen die Fähigkeit gewinne.
Kaiser Friedrichs-Gymnasium 1889. 2


