Aufsatz 
Errichtung des Staatsgymnasiums. - Eröffnungsfeier
Entstehung
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zu Gott dem Herrn, an dessen Segen alles gelegen; zu ehrerbietiger Huldigung und heralicher Hingebung an unseren vielgeliebten, in seinem schweren Leiden von dem Gebete seines Volkes getragenen Kaiser und König; zu weihevoller Erinnerung und inniger Anteilnahme an der Geschichte und den Geschicken unseres Erlauchten Herrscherhauses und unseres großen, teueren Vaterlandes. Und wenn hier die Wogen des Gesanges die Worte hinaustragen»Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren« und»Heil dir im Siegerkranze, dann legt auch dieses Gymnasium, unbe- kümmert darum, wie es Neidern und Gegnern gefallen mag, kräftiges Zeugnis ab mit Herzen, Mund und Händen, daß es all sein Lernen, all sein Forschen, all sein Vermögen in den Dienst stellt für Gott, König und Vaterland.

Und wie steht es endlich mit dem Vorhalte, daß die Gymnasien, in einseitiger Berücksichtigung der Geistesbildung, das körperliche Wohl ihrer Zöglinge außer acht ließen? Wohl wird angestrengte Geistesarbeit gefordert.»Im Schweifee deines Angesichts sollst du dein Brot essen!- Das gilt auch von dem Brote der Gymnasial- bildung; es will erarbeitet sein. Und diese Arbeit erscheint nicht als ein leidiger Zwang, vielmehr als eine ihren Zweck in sich selbst tragende, reichen Segen vermittelnde Ubung und Mehrung der Kraft. Doch nicht allein des Geistes, auch des Leibes Kraft und Gesundheit ist das Ziel einer jeden vernünftigen Erziehung. Das weiß auch das Gymnasium sehr wohl. Das beweisen schon die baulichen Anlagen dieser Schule, welche heute ihrer Bestimmung übergeben werden. Die luftigen, hellen Räume des Klassenhauses, die hohe, wohl eingerichtete Turnhalle, der Spielplatz mit seinen schattigen Bäumen: sie sind ebenso viele beredte Zeugen dafür, daß diesem Gymnasium auch das leibliche Wohl seiner Zöglinge warm am Herzen liegen soll.

Mannigfaltiger Art sind die Schulen, in denen der erziehende Unterricht sein Werk treibt; jede hat ihre eigentümliche Gabe, jede ihre besonderen Ziele. Aber wie die gesamte Pflanzenwelt bei aller Verschiedenheit ihrer Arten, bei aller Mannigfaltigkeit ihrer Gliederung aus dem einen Mutterboden der Erde hervorsprießt und die- selbe aufwärts treibende Kraft in sich verspürt: so wurzeln alle Arten der christlichen deutschen Schule in dem einen Boden des Vaterlandes; so ist es derselbe von Gott gewirkte und in Christo wirkende Glaube, dessen Kraft die Herzen aller ihrer Zöglinge gen Himmel erhebt.

Die heute neu erstehende Anstalt tritt mit sämtlichen Schulen dieser großen, in der Vergangenheit reich bezeugten, in der Gegenwart mächtig weiter strebenden Stadt in einen Bund segensreicher Berufs- gemeinschaft. In diesem Gesamt-Bewußtsein geschieht es, wenn sie ihre gymnasiale Besonderheit ausge- staltet; und die edlen Gaben, welche dem Gymnasium als solchem eignen, sollen geläutert und gesteigert werden qurch die treibenden und behütenden Kräfte, die in dem heiligen Werke christlicher Erziehung überhaupt be- schlossen sind. 3

Daß dieses erhabene Ziel an der Anstalt allezeit erstrebt werde, daß sie in stetigem Fortschreiten dem- selben näher und näher komme; das ist Ihre Aufgabe, meine Herren Lehrer, das ist euere Aufgabe, meine lieben Schüler!

Zu Ihnen, hochgeehrter Herr Direktor, dem, nach der Pflege zweier anderer Gymnasien, nunmehr die Leitung dieser Anstalt anvertraut ist, und zu Ihnen, meine hochgeehrten Herren Lehrer, die Sie zu Genossen und Helfern seiner Arbeit berufen sind, hegen wir die zuversichtliche Erwartung, daß Sie mit freudigem Streben darauf bedacht sein werden, die Kraft und Tüchtigkeit, welche Sie an anderen Schulen bereits bewährt haben, hinfort der gedeihlichen Entwicklung dieses Gymnasiums zuzuwenden; und Gott der Herr wird Ihre Treue lohnen wie an der Schule, so an Ihnen selbst.

Ihr aber, meine lieben Schüler, die ihr die Ehre habt, die ersten Zöglinge dieser hohen Schule zu sein erweist euch dessen würdig durch Zucht und Sitte, durch Fleiß und Eifer, durch Wissen und Wirken. Was von euch verlangt wird, ist nichts Geringes; aber es ist euer, was ihr erarbeitet, und die Frucht euerer Anstrengung erntet ihr selbst. Um solchen Preis ist auch die Mühe eine Lust. Und sollte sie euch mitunter als eine Last, ja, als eine drückende Last erscheinen, so ist ein starker Helfer zur Stelle, der zu euch spricht:

Fällt's euch zu schwer, ich geh voran, Ich steh euch an der Seite.

Christus giebt Kraft und Vorbild für hoch und niedrig, für alt und jung.»Das Kind Jesus(so heißt es in der h. Schrift) war seinen Eltern unterthan und nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.« Seht da euer Vorbild! Ja, Jesus euere Liebe! Jesus euere Zuversicht! Und auf dem ganzen Leben und Streben dieser Schule Gottes Segen immerdar!

Das ist unser Wunsch für dieses Gymnasium. Das sei seine Weihe. Amen.