Aufsatz 
Errichtung des Staatsgymnasiums. - Eröffnungsfeier
Entstehung
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Morgens nach 10 ½ Uhr versammelten sich etwa 50 der persönlich geladenen Herren in der Dienstwohnung des Direktors, während die übrigen Teilnehmer an der Feier direkt zur Aula gingen.

Nachdem hierauf die Hauptthür des Schulgebäudes wieder geschlossen worden war, begaben sich um 11 Uhr die Ehrengäste aus der Direktorwohnung zum Haupteingange, wo die feierliche Ubergabe durch die Königliche Bauverwaltung erfolgte.

Herr Baurat Wagner begrüßte die Versammelten mit einer Ansprache, in welcher er gunächst des Zusammenwirkens von Staat und Stadt gedachte, dem es zu danken sei, daß an dieser Stelle ein Haus stehe»gewappnet und fest aus Stein und Eisen zu Trutz und Schutz«. Er knüpfte hieran den Wunsch,»daß in diesen Räumen die jugendlichen Schwingen des Menschengeistes sich glücklich entfalten möchten zu hohem und höherem Fluge« und schloß mit folgenden Worten: »Ja möge diese Stätte den jungen Generationen und viel künftigen Geschlechtern sittlichen Ernst, den Halt fürs Dasein, geben, ihnen einpflanzen die Gottesfurcht und klassisches Wissen, einen Hort deutschen Lebens und deutscher Sitte. Mögen aus dieser Schule, auch zum Ruhm der Stadt Frankfurt hervorgehen Jünglinge, kräftig an Geist und an Körper, erzogen in Athener Weisheit, in Spartaner Einfachheit, in Römer Würde und deutschem Heldenmut. Mögen sie werden einst Stützen des Staats, des Reichs, Helfer im Volk, dienend mit Aufopferung in Ehr- furcht, in Treue und Gehorsam dem Kaiser, König und dem Vaterland, mögen sie leuchten mit ihrem Wissen und Handeln zu allem Edeln und. Guten. Das walte Gott!«

Hierauf überreichte er Sr. Excellenz dem Herrn Ministerialdirektor Greiff den Schlüssel zur Hauptthür. Dieser übergab ihn, nachdem er der Thätigkeit der Bauverwaltung seine ehrende Anerkennung gezollt hatte, dem Direktor, welcher nunmehr nach einigen Worten des Dankes die Thüre öffnete und die Gäste zur festlich geschmückten und mit der Büste des Kaisers gezierten Aula geleitete.

Nachdem die Herren hier ihre Plätze eingenommen hatten, begann die Einweihungsfeier. Dieselbe wurde eröffnet mit dem Choral»Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren«. Nach Absingung der beiden ersten Verse bestieg Herr Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer das Katheder und richtete an die Versammelten folgende Ansprache:

In Jesu Namen! Amen!

Hochzuverehrender Herr Ministerial-Direktor, Excellenz! Hochgeehrte Festversammlung! Liebe Schüler!

Wo immer eine Schule errichtet wird, da ist heiliger Boden. Auch die einfachste Volksschule im be- scheidensten Hause ist eine Kemenate, darin die kostbarsten Güter der Menschheit gehegt werden. Der heutige Tag der Weihe aber, an welchem ich im Namen des Königl. Provinzialschulkollegiums in Kassel zu reden habe, gilt nicht einer in ihren Mitteln und Zielen beschränkten Anstalt; nein, einer hohen Schule in hohem Hause.

Wir danken Sr. Excellenz, dem Herrn Unterrichtsminister, wir danken Ew. Excellenz, hochverehrter Herr Ministerialdirektor, dessen Gegenwart unserer Feier zu ganz besonderer Ehre gereicht, und den Räten des Königl. Ministeriums ehrerbietigst für die wohlwollende, wirksame Förderung, welche das Werk von Ihrer Seite erfahren hat. Mit reichen Mitteln ist die Anstalt ausgesteuert worden; mit dem heutigen Tage soll der innere Haushalt derselben seinen Anfang nehmen.