5
Das Direktorwohnhaus liegt, von einem kleinen Garten umgeben, an der Nord-
westseite des Grundstückes und enthält sieben Wohnräume, zwei Giebelstuben sowie die erforder- lichen Wirtschaftsräume.
Beide Gebäude sind in den Formen der deutschen Renaissance, zwar prunklos aber doch ihrer Bedeutung entsprechend, würdig durchgebildet. Das Klassengebäude hat eine reichere Aus- stattung am Portal und durch hohe Giebel und Dächer erhalten; im Innern sind einzelne Teile der Hallen, Treppen und die Aula reicher durchgeführt unter Anwendung kunstvoller Schmiede- arbeiten für Gitter, Thürbeschläge und Beleuchtungskörper. Das Material für alle Architektur- glieder und konstruktiv wichtigen Bauteile ist roter Sandstein vom Main. Die freien F açaden- flächen sind mit Mörtelbewurf versehen.
Die Turnhalle, 300 dm groß, ist mit Geräten neuester Konstruktion ausgestattet. In einem besonderen Anbau derselben sind die Aborte der Anstalt angeordnet.
Auf dem schönen Schulhofe, welcher nach Abzug der bebauten Flächen ca. 3200 qm groß ist, sind einige Gartenanlagen mit besonderer Berücksichtigung einheimischer Waldbäume zugleich für die Zwecke des botanischen Unterrichtes hergestellt.
Die Gebäude wurden unter der Oberleitung des Königlichen Baurates Wagner und unter der speciellen Bauleitung des Regierungs-Baumeisters Koerner nach dem im Ministerium der öffentlichen Arbeiten gefertigten generellen Entwurfe ausgeführt.
Eröffnungsfeier.
Nachdem unter Anspannung aller Kräfte der Bau fertiggestellt und für die innere Ausstattung der Räume in der Hauptsache Sorge getragen war, konnte die Eröffnung auf den 11. April angesetzt werden. Zu derselben trafen am 10. von auswärts ein der Herr Ministerial- direktor Wirkl. Geh. Ob.-Regierungsrat Greiff als Vertreter des Herrn Ministers, ferner der Herr Ober-Präsident Staatsminister Graf zu Eulenburg, sowie der Herr Provinzial-Schulrat Dr. Lahmeyer, am Tage der Feier selbst der Königl. Regierungs-Präsident zu Wiesbaden Wirkl. Geh. Ob.-Regierungsrat von Wurmb, der Landrat zu Hanau Geh. Regierungsrat Graf Bismarck und das Lehrer-Kollegium des Königlichen Gymnasiums zu Hanau.
Hier waren persönliche Einladungen ergangen an die Spitzen der Königlichen Civil- und Militärbehörden, der- Geistlichkeit, an dié Direktoren der höheren Schulen und an die Kommunal- Behörden. Außerdem war eingeladen das Lehrer-Kollegium des städtischen Gymnasiums und end- lich einem jeden der 184 Schüler eine Einladungskarte für einen Angehörigen übergeben worden.


