Aufsatz 
Errichtung des Staatsgymnasiums. - Eröffnungsfeier
Entstehung
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4.

Das große, mit zwei Seiten an der Straßze gelegene Grundstück begünstigte die Aus- führung einer ausgedehnten, frei und geräumig entwickelten Anlage in drei getrennten Gebäuden, Klassengebäude, Direktorwohnhaus und Turnhalle. Diese Gebäude wurden aufgeführt in den Jahren 18841888.*)

Das Klassengebäude, auf der Nordost-Seite des Grundstückes gelegen, von der Straße durch einen Vorgarten getrennt, ist für ca. 500 Schüler mit neun Gymnasial- und drei Vorschulklassen eingerichtet. Für Schulzwecke sind ferner vorhanden: ein Zeichensaal, ein Ge- sangsaal, ein Lehrsaal für den physikalischen Unterricht, zwei Zimmer für Sammlungen und Apparate, zwei Bibliothekzimmer, ein Karzer, ein Raum für Lehrmittel, eine Aula, welche, 300 qm groß, den Mittelbau des II. Stockwerkes einnimmt und mit einer Orgel(von Walcker in Ludwigsburg) versehen ist, ferner das Dienstzimmer des Direktors, das Lehrer- und Konferenz-

zimmer, sowie die Dienstwohnung für den Pedellen.

Der Hauptzugang befindet sich in der Mittelaxe der nordöstlichen Straßenfront; zwei Ausgünge in den Treppenhäusern führen zum Schulhof.

Sämtliche Klassen liegen nach Nordosten an der Straße. Breite, helle Korridore auf der Hofseite, sowie eine 120 dm große, auf Steinpfeilern überwölbte Halle im Erdgeschoß und eine ebensolche im ersten Stockwerk, welche miteinander durch bequeme Treppen verbunden sind, bieten reichlichen Raum zum Aufenthalt der Schüler bei Regenwetter.

Alle Konstruktionsteile des Baues sind mit Rücksicht auf Feuersicherheit und Dauer- haftigkeit möglichst aus Stein und Eisen hergestellt; die Treppenläufe, Korridore und Hallen sind in Ziegeln überwölbt, die Fußböden daselbst mit Thonplatten und Gußasphalt belegt, die Treppenstufen aus Basaltlava gefertigt, die Zwischendecken in den Zimmern aus Stampfbeton zwischen eisernen Trägern gebildet, die Dachgerüste aus Eisen gefügt. Holz hat nur da An- wendung gefunden, wo es nicht zu vermeiden war, Z. B. bei den Fußböden in den Zimmern; bei dem Dachgespärre und der Dachschalung, auf welche die Schiefersteine der Dachdeckung genagelt werden mußten; in der Aula zur Verkleidung der Betongewölbe und der unteren Wandteile aus akustischen Rücksichten. Die in den Klassen und Korridoren sonst wohl üblichen Wandpaneele sind durch einen dauerhaften Ölfarbenanstrich und durch Fußleisten aus Cementputz ersetzt.

Die Erwärmung und Lüftung geschieht durch eine Luftheizung mit vier im Keller angelegten Heizkammern. Für reichliche Luftzuführung und genügende Anfeuchtung der Luft ist besonders Sorge getragen. Die Regulierung der Zimmertemperatur erfolgt in einfacher Weise von jedem Zimmer aus durch Einstellen einer Klappe nach vorgezeichneter Scala.

Eine Wasserleitung für das notwendige Gebrauchswasser, sowie Gasbeleuchtung und Feuerlöscheinrichtungen sind in sämtlichen Stockwerken vorhanden.

Die Subsellien, gußeiserne Gestelle mit eichenen Tischplatten und Pendelsitz von Lick- roth in Frankenthal, sind in der Mehrzahl zweisitzig, zum kleineren Teil dreisitzig ausgeführt.

*) Die Baubeschreibung verdanken wir der Gefälligkeit des Herrn Regierungs-Baumeisters Koerner.