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von der eindrucksvollen Machtstromwelle, die von dort über die Welt sich verbreitete. Vor hundert Jahren — da war ein anderer Mann der Gebietiger! Und— schlimmer als das— eine nicht geringe Zahl deutscher Landesfürsten waren seine leider ach nur zu willfährigen Trabanten! Da hatte der deutsche Kaiser genug seines Amtes und seiner Würde: da ging das deutsche Reich in Stücke! Und nicht allzu lange dauerte es, da folgten die Tage von Jena und Auerstädt. die auch über den engeren deutschen Landesteil, dem wir jetzt angehören, schweres Geschick heraufführten. Wie das alles so kommen, wie das alles so geschehen konnte, das genauer auseinanderzusetzen, ist hier nicht Ort noch Stunde. Aber es ist nützlich und gut für uns, daß wir dieser Zeiten nicht vergessen. Ja, wir haben Zeiten gehabt, wo von einem Zusammenhalt, von einem Zusammengehen, von einem Zusammenwirken keine Rede war, wo deshalb der Fremde bei uns mächtig und übermächtig werden konnte, und wo deshalb auch alles auseinanderzugehen drohte. Wir haben uns dann ja wiedergefunden, als die Not am größten war. Aber noch lange, gar lange hat es gedauert, und noch gewaltige Kämpfe im Innern und nach außen hat es gekostet, bis ein erfolgverheißendes Zusammengehen wieder erzielt war. Schier zwei Menschenalter waren nötig, bis die Deutschen wieder einig waren, bis der deutsche Kitt wieder hart geworden war. Und dann blieb ja auch der Erfolg nicht aus. Der 2. September erinnert daran. Aber erst er und alle Tage seines- gleichen haben jenen Kitt unter den Deutschen wieder so ganz fest gemacht, haben das Band, das uns alle verbindet, wieder so fest zusammengezogen, daß der Freund des Vaterlandes seine Freude daran haben konnte. Und diese Einmütigkeit, diese Eintracht, die Stärke bedeutet, die gilt es nun für alle Zukunft unserem deutschen Volke zu erhalten. Da müssen dann freilich manche Sonderinteressen zurücktreten, da muß der Einzelne, wenn das Ganze stark bleiben soll, sich nicht vor dem andern hervordrängen, vor dem andern hervortreten, es ihm zuvortun, vor ihm etwas voraushaben wollen. Da gilt es vielmehr, sich einzuordnen, ja gelegentlich unter- zuordnen. Das alte Wort els Sau⁵ue, els 20α mοος goro, es behält eben doch zu allen Zeiten seinen Wert: Einer soll König sein, einer der Herr! Das anzuerkennen, wird uns allzeit um so leichter werden, je mehr wir an die Zeit zurückdenken, da dies nicht so war, da jeder seinen eigenen Weg ging, und wenn wir nie vergessen, wie schlecht, wie elend es uns damals ergangen ist, wie mißachtet wir damals in der Welt dastanden. — Wie schön andererseits das Zusammenstehn, das Zusammengehen, das Zusammentun ist, welch schönes, stärkendes Einmütigkeitsempfinden dabei herauskommt, das machen wir uns denn auch so ganz im Kleinen jedes Jahr einmal hier an der Adlerflychtschule klar, wenn wir am 2. September das Gesamtergebnis aus unserem Schulturnen des Jahres ziehen und damit uns der Oeffentlichkeit zeigen. Wir hoffen, daß unsere Schüler die Erinnerung daran als Sinnbild mit ins Leben hinaus nehmen und den Gewinst dereinst als Männer im Vater- lande Zinsen tragen lassen. Bleibt unserem deutschen Volke die Einmütigkeit erhalten, dann wird es nie ganz schlecht stehen um unser Vaterland, jedenfalls nie wieder so schlecht wie in jenem argen Jahre 1806. Und das gebe Gott! Dann können wir getrost weiter sagen und singen:„Deutschland. Deutschland über alles, über alles in der Welt!“—
Nachdem das Lied gesungen war, begannen die turnerischen Vorführungen: ein von ungefähr 150 Schülern ausgeführter planmäßiger Aufmarsch der Doppelklassen VI. und V mit abschließendem Stirnmarsch aller Realschulklassen, Freiübungen dieser sämt- lichen Klassen mit Marschübungen— sogenannten Zwischenübungen— nach dem Takte der Musik, desgleichen nach den Klängen des Klaviers Keulenschwingen der Klassen U. III bis U. II und schließlich allgemeines Geräteturnen, geordnetes Riegenturnen der Klassen VI. bis U. II. Unter der bewährten sicheren Leitung des Herrn Volze und unter der Mitwirkung der übrigen Turnlehrer verlief alles aufs beste. Von neuem war der Beweis erbracht, daß der Turnunterricht an der Adlerflychtschule in guten Händen ist. Mit Worten der Aner- kennung dankte zum Schluß der Direktor für das Gebotene und übergab bei dieser festlichen Gelegenheit einem trefflichen jungen Schüler, der ihm auch beim Turnen schon öfters durch seine Haltung aufgefallen war, dem Quartaner Ernst Schanze, das im Laufe des Sommers von dem Königlichen Provinzial-Schulkollegium eingegangene Werk„Unser Kaiserpaar“, von dem der Herr Minister eine Anzahl von Exemplaren als Prämien für würdige Schüler der höheren Lehranstalten der Provinz überwiesen hatte. Mit Kaiserhoch und Nationalhymne ging die Feier gegen 9 ½ Uhr zu Ende.— Während der am Tage vorher


