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jämmerliche Stellung der„deutschen Schullehrer“ ins Auge faßt, wenn man bedenkt, wie der Unterrichtsbetrieb in diesen Schulen bei Lehrern und Schülern geistig ertötend wirkte, ¹) wahrlich eine traurige Stellung für einen Mann mit solcher Vorbildung! Immerhin ging es ihm noch verhältnismäßig recht gut, denn seine Schule gehörte zu den beiden besuch- testen: etwa 350 Kinder zählte sie, als er sie bei seiner Uebernahme an die Weißfrauen- schule schloß. Allerdings waren ihm noch mehrere Tausend Gulden Schulgeld ausständig; aber da ihm nun eine gesicherte Existenz geboten war, hat der gutmütige Mann diese Schulden einfach gestrichen.
Graeff war schon 45 Jahre alt, als er vom Staat angestellt wurde, ein Mann, den erst widrige Verhältnisse in das Schulfach getrieben hatten. Anders Diehl, der zweite „deutsche Schullehrer“, der an die Weißfrauenschule übernommen wurde. In einer Eingabe, die er einmal an den Senat gerichtet hat, findet sich die Außerung:„Schon in méinen frühesten Jahren fühlte ich den Beruf, als Schulmann nützlich zu sein.“ Er besuchte von der IV bis zur I das Frankfurter Gymnasium und wurde dann an dieser Anstalt als „Gehilfe für die Sexta“ angestellt. Dann wurde er im Alter von 22 Jahren 1804 an die soeben gegründete Musterschule als Schreiblehrer berufen. Gleichzeitig wirkte er am jüdischen Philanthropin(obgleich er Lutheraner war): zuerst nur als Geschichtslehrer, dann seit 1806 als Leiter der Schule(Oberlehrer). Doch war er dieser Stellung nicht gewachsen. Der nach- mals berühmt gewordene Geograph Karl Ritter, der damals sich als Hauslehrer in Frankfurt, aufhielt und einer öffentlichen Prüfung im Philanthropin beiwohnte, bezeichnete die Wahl dieses Dirigenten als„schlecht, sehr schlecht“²). Das wird wohl auch die Meinung der Vorsteher gewesen sein: ihm wurde schon im Jahre 1807 seine Stellung gekündigt. Der Senat übertrug ihm dann 1808 eine erledigte Quartierschule.
Graeff und Diehl hatten freie Wohnung im Schulgebäude. Ihnen war die Aufsicht über die Schüler vor Beginn des Unterrichts und die Kontrolle über den Pedellen über- tragen, da ja der„Direktor“ der Schule, Pfarrer Kirchner, nicht immer anwesend sein konnte. Irgend eine besondere Stellung im Kollegium, gleichsam als Direktorialgehülfen, hatten sie keineswegs. Im Gegenteil scheinen sie etwas zurückgetreten zu sein hinter den übrigen Lehrern, die teils besser vorbereitet für ihren Beruf, teils geistlichen Standes waren. Es ist doch wohl kein Zufall, daß bei der ersten öffentlichen Prüfung, die die Schule veranstaltete, gerade diese beiden Lehrer nicht in Tätigkeit traten: weder unter- richteten sie, noch hielt einer von ihnen die Eröffnungs- oder Schlußrede. ³)
Aufßer diesen beiden Quartierschullehrern wurden noch drei Frankfurter Kandidaten der Theologie angestellt, die ihr Schulamt lediglich als einstweilige Versorgung bis zur Erlangung einer Pfarrstelle betrachteten: Goentgen ⁴), Kirschten ⁵), König). Von auswärts berief man zwei Männer, die für den Beruf eines Volksschullehrers zweckmäßig vorge-
¹) Siehe den Anhang.
²) Baerwald und Adler S. 20.
³) Daß Diehl sich auch hier nicht bewährt hat, ist aus den Akten ersichtlich; seit der Schulreor- ganisation von 1824 wurde er nur noch als Schreiblehrer verwandt.
¹) Er wurde einige Jahre darauf wegen Krankheit pensioniert.
⁵) Später Pfarrer und Konsistorialrat.
6) Später Senior und Konsistorialrat.


