Aufsatz 
Vorbereitung und Begründung des städtischen Volksschulwesens in Frankfurt am Main
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

In Frankfurt hatten die Katholiken bereits ein wohlgeordnetes Schulwesen, ¹) das auch für einen unentgeltlichen Volksschulunterricht Gelegenheit bot: für die Knaben in der Domschule, für die Mädchen in der Schule der Englischen Fräulein. Darin trat auch keine Anderung ein, als gemäß dem Beschluß der Reichsdeputation Frankfurt die ihm zur Entschädigung für die Abtretung seiner Rechte an Soden und Sulzbach zugewiesenen Liegenschaften und Kapitalien der katholischen Klöster und Stifter in Frankfurt am 19. Oktober 1802 einzog. Dieser säkularisierte Besitz wurde einstweilen ²) getrennt von dem übrigen Vermögen der Stadt durch ein besonderesGeistliches Güter-Administrations- Amt verwaltet. Das leistete die bisher von den Stiftern bezogenen Unterhaltungsbei- träge für die vorhandenen vier katholischen Lehranstalten, sodaß diese unverändert weiter bestanden. Der Unterricht an den Volksschulen blieb nach wie vor unentgeltlich. Dabei plieb es auch, als Frankfurt unter die Regierung Dalbergs kam, der ja schon in seinef Eigenschaft als Erzbischof von Main⸗z der Oberhirte der Frankfurter Katholiken gewesen war.

Die unter Aufsicht der fürstlichen Oberkuratel für die Frankfurter Lehranstalten stehende Spezialkommission für das katholische Schulwesen ³) ging sofort daran, eine Reor- ganisation der ihr unterstellten Schulen vorzunehmen. Zu deren Durchführung konnte der mit vielen Auflagen beschwerte geistliche Güterfonds keine Mehraufwendungen machen. Deshalb bewilligte Dalberg der katholischen Schulkasse einen jährlichen Zuschuß von 4000 Gulden aus seinen eigenen Einkünften und genehmigte, daß von den wohlhabenderen Gemeindemitgliedern ein Schulgeld erhoben würde, dessen Höhe aber jedesmal der Ver- einbarung überlassen blieb. Die der Domschule angefügte Realschulklasse wurde nun mit, dem Gymnasium Fridericianum vereinigt So blieben also an der Domschule lediglich die von altersher bestehenden zwei Elementarklassen(dieTrivialschule), denen dann noch eine dritte Klasse aufgesetzt wurde. Dadurch wurde die Möglichkeit gegeben, den Lehrplan zu erweitern: während er bis dahin nur Religion, Deutsch, Rechnen und Schreiben um- faßte, wurde jetzt noch Französisch und Zeichnen hinzugefügt. Jede Klasse hatte zwei- jährigen Lehrgang, sodaß also planmäßig in 6 Jahren die Schule durchlaufen wurde. Fortan wurde sie nicht mehr Trivialschule, sondernBürgerschule genannt. Tatsächlich aber entspricht sie nach ihrem Lehrplan dem, was wir heute meistenteils Volksschule nennen.¹) Daran darf uns das Französische als Unterrichtsgegenstand nicht irre machen: für den Bürger eines französischen Vasallenstaats gehörte die Kenntnis dieser Sprache allerdings zu der notwendigsten Bildungsausstattung.*)

¹) Siehe oben Seite 7. Die Schicksale der katholischen Schulen von ihrer Säkularisation bis 1844 sind aktenmäßig dargestellt und veröffentlicht in der Denkschrift der katholischen Kirchengemeinde an die Deutsche Bundesversammlung. Daher ist hier nur das Wichtigste angeführt, soweit es zum Aufbau dieser Ab- handlung notwendig scheint.

²) Bis 1825.

³) Siehe oben Seite 9 f.

*) In Frankfurt werden auch heute noch die städtischen Volksschulen seitens der Stadt amtlich Bürgerschulen genannt.

) Bereits im Jahre 1784 sogar war es ratsam erschienen, an den protestantischen Volksschulen, den Quartierschulen, Französisch als wahlfreien Unterricht zu gestatten. Im gleichen Jahre wurde auch am Gymnasium Französisch wahlfreier Unterrichtsgegenstand.