Aufsatz 
Vorbereitung und Begründung des städtischen Volksschulwesens in Frankfurt am Main
Entstehung
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Vorbereitung und Begründung des städtischen Volksschulwesens

in Frankfurt am Main.

I. Unter der Regierung des Fürsten-Primas.

Bei der Stiftung des Rheinbunds verlor die freie Reichsstadt Frankfurt a. M. ihre politische Selbständigkeit: der bisherige Kurfürst-Erzbischof von Mainz, Karl Freiherr von Dalberg, der Fürstprimas des Rheinbundes, wurde ihr Landesherr. Günderrode, der in dieser kritischen Zeit seine Vaterstadt in Paris vertrat, um die ihr drohende Mediatisie- rung vielleicht noch abzuwenden, bezeichnete ¹) den neuen Souverän als das geringere Ubel im Vergleich mit den Herrschern von Baden und beiden Hessen, die sich gleichfalls darum bemüht hatten, die Metropole am Main ihren Staaten einzuverleiben Ja, war dieser neue Zustand denn überhaupt ein Ubel zu nennen? Was uns heutzutage an der Zeit, da Frankfurt unter dem Zepter dieses Mannes stand, so schmachvoll, so demütigend erscheint: die völlige Abhängigkeit von dem französischen Kaiser, der die Truppen der Stadt in seinen Kriegen verbluten ließ und mit seiner Handelspolitik rücksichtslos eingriff in ihr Erwerbsleben; dies alles hätte Frankfurt auch zu erdulden gehabt, wenn es als Freie Stadt in den Rheinbund hätte eintreten können.

So aber wurde Frankfurt aus seiner kleinstaatlichen Sonderexistenz herausgerissen, es wurde Teil, ja Mittelpunkt eines größeren Ganzen. Ein kräftiger Zug frischer Luft drang in die Räume der alten Reichsstadt, und eine moderne Staatsauffassung hielt dort, ihren Einzug. ²) Der bequeme Schlendrian, die gemütliche Vetternwirtschaft der kleinen Stadtrepublik hörten auf. Während die Obrigkeit bis dahin, gehemmt durch tausend Rücksichten auf Gevatter Schneider und Handschuhmacher, keinen Fortschritt, keine Anderung und war sie zum allgemeinen Besten noch so nõtig durchführen konnte, am wenigsten, wenn die Sache Geld kosten sollte, trat jetzt ein souveräner Fürst die Re- gierung an. Der konnte ohne Rücksicht auf die Sonderinteressen des einzelnen, ohne warten zu müssen, bis die Notwendigkeit einer Reform auch dem beschränktesten Spieß- bürger eingeleuchtet hatte, kraft seiner Souveränität das durchführen, was er zum allge- meinen Besten für notwendig hielt. Und so manches,was unsere ſsc. Frankfurts] alten

¹) In einem Brief an Hufnagel, datiert: Paris, 28. Juli 1806. Abgedruckt bei Stricker: Erinnerungs- blätter u. s. w.(siehe den Literaturnachweis am Schluß) S. 98 f. ¹) Siehe die Belege bei Darmstädter.