ausnehmen, wo ſie als Staatsbuͤrger mit hoͤheren Pflichten auftreten ſollen. Und wenn es dem edleren Menſchen geziemt, nicht aus Furcht, ſondern aus Achtung dem Geſetze zu gehorchen; ſo iſt es fuͤr den Lehrer eine der verdienſt⸗ lichſten Aufgaben ſeines Berufes, in dem kleinen Staate der Schule edeln Gemeingeiſt zu verbreiten, fuͤr den er zunaͤchſt alle Beſſere gewinnt, um durch dieſe uͤber die Gemuͤther der Uebrigen ſicherer und ſchneller zu ſiegen, als der muͤrriſche Pedant, dem dieſe Gabe fremd iſt, und welcher ſich vergebens ab⸗ muͤhet, durch die Strenge poſitiver Strafen zu erzwingen, was auf geeigne⸗ terem Wege erzielt werden kann. Fuͤr die geringe Zahl der Hartnaͤckigen, an welchen Ermahnung und Beiſpiel nichts fruchten, bleibt alsdann der Gebrauch poſitiver Strafen ein deſto wirkſameres Mittel, weil ſie ſich hierdurch um ſoviel mehr geſtraft fuͤhlen, da es nur ſie allein trifft, unwuͤrdig und ſtrafbar zu er— ſcheinen. Eben daher iſt es wohl die Probe einer guten Erziehungsanſtalt, wenn poſitive Strafen nur Seltenheiten ſind, und Pflicht, ganz unverbeſſerliche Ge⸗ muͤther bald moͤglichſt als ſtoͤrende Weſen, die ohnehin ihren gewaͤhlten Beruf verfehlen wuͤrden, aus der Geſellſchaft der Beſſeren auszuſchließen.
So gewoͤhnt ſich der Juͤngling fruͤhe fuͤr den Ernſt des folgenden Lebens, wovon der Zoͤgling der haͤuslichen Erziehung kaum eine ſchwache Andeutung er⸗ haͤlt und oft ſo ſchwer ſich ſpaͤterhin in die veraͤnderte Lage zu finden weiß.
Und wenn es die Erfahrung taͤglich beweiſt, wie ſehr der Menſch zu ſeiner vielſeitigen Ausbildung und der ſo unentbehrlichen Menſchen⸗ kenntniß des Umganges mit Andern bedarf; ſo gebuͤhrt auch von dieſer Seite den oͤffentlichen Schulen der Preis. Es iſt ein Vortheil von entſchiedenem Werthe fuͤr die, deren Beruf wiſſenſchaftliche Kenntniſſe erfordert, daß die oͤffentliche Schule ihnen noch mehr reicht als allein den Unterricht. Die Jugend findet hier naͤmlich waͤhrend einer Reihe von Jahren Gelegenheit, Ge⸗ wohnheiten und Sitten Anderer zu beobachten, das Leben und Treiben ihres Gleichen und der an Alter ſchon Reiferen gleichſam wie in einem Spiegel zu


