„Benennung, von der man ſich vielleicht wundern wird, daß ich ſie in unſeren «Zeiten wiederhole, und nicht lieber vom Tempel des Apollo, der Muſen und Grazien rede. Die Benennung, recht verſtanden, druͤckt aber eine ſo edle Sache, aund zwar viel wahrer und inniger aus, als alle Idolen-Ausdruͤcke vom Tempel sdes Apollo, der Muſen und Grazien nur bezeichnen moͤgen.“— Es kommt nur auf das richtige Verſtaͤndniß des Wortes an. Iſt es nicht Befoͤrderung goͤtt⸗ licher Zwecke, wenn nicht nur in den fuͤr Religionsunterricht eigenthuͤmlich be⸗ ſtimmten Lehrſtunden durch gemuͤthvolle Behandlung des Gegenſtandes Gutes ge⸗ wirkt wird, ſondern was die dadurch beabſichtigte Religioſitaͤt erſt ins rechte Le— ben rufen muß, in allem uͤbrigen Thun und Treiben, in allen Einrichtungen der Lehranſtalt ein Geiſt fuͤr Sittliches, Edles und Hoͤheres ſich ungezwungen aus— ſpricht und unwillkuͤhrlich den jugendlichen Herzen ſich anbildet. So erſcheint die oͤffentliche Schule erſt als wahre Wohlthaͤterin. Mit dem Zwecke, den Verſtand zu bilden und nuͤtzliche Kenntniß zu verbreiten, verbindet ſie, wenn jener Geiſt in ihr wehet, den noch weit hoͤheren der Veredlung des ganzen Menſchen, indem ſie ihn das Gemeine und Niedrige fliehen und das Hoͤhere und Beſſere er⸗ ſtreben lehrt.“)— So lernet der Juͤngling fruͤhe, was ihm und ſeinem Wiſſen nur wahren Werth giebt; er uͤbt ſich fruͤhe, bei ſich ſelbſt anfangend, an dem nuͤtzlichen Gebrauche ſeiner Kraͤfte und Anlagen zu zeigen, was er erlernt hat; er lernt hierdurch zugleich ſeine wahre Beſtimmung kennen, durch gruͤndliche Bil⸗
*) Gerade dieſe Erſcheinung, moͤchte ich behaupten, iſt fuͤr den Lehrer, welcher die Forderungen ſeines Berufs im rechten Lichte erkennt, ein Pruͤfſtein ſeiner Wirk⸗ ſamkeit, und lehrt ihn, immer mehr zu wachen, adaß das Wiſſen im Leben ſich ausdruͤcke, und von Sitten ausgehend auf Sitten zuruͤckkehre, daß es mehr in dem Herzen als— wie man ſo haͤufig den gerechten Vorwurf hoͤrt— in dem Kopfe wohne und daß es mehr die Denk⸗ und Sin nesart bildet als nur das
Gedaͤchtniß bereichert, 1 Anm. des Verfaſſers.


