oͤffentliche Gelehrtenſchulen, in welchen der Geiſt herrſcht, welcher Lehrende und Lernende beſeelen muß, der Geiſt der Weisheit und Wiſſenſchaft, der Thaͤtigkeit und des Fleißes, der Ordnung und Zucht, auch als aͤchte Pflanzſchulen veredelter Menſchheit, als ein Heiligthum, in welchem jeder aus Achtung vor dem Geſetze, vor eigner und fremder Menſchenwuͤrde und dem hoͤchſten Richter aller ſeiner Handlungen treu und eifrig ſeinen Pflichten zu ge⸗ nuͤgen ſich beſtrebt und ſeiner Beſtimmung ſicher ſich wuͤrdiget.*)
2. Doch gerade hierin beſteht ein zweiter Vorzug der oͤffentlichen Schule vor der haͤuslichen Erziehung.— Mit aller Muͤhe wird es dem Erzie⸗ her eines einzelen Schuͤlers nicht gelingen, jenen Geiſt der Erziehung fuͤr das Gute und Erhabene in der Staͤrke zu erwecken und zu naͤhren, als es dem Lehrer in oͤffentlichen Schulen an Vielen zugleich gelingt.«Unſere Vorfahren,» ſagt Herder, snannten die Schulen Werkſtaͤtten des Geiſtes Gottes; eine altvaͤteriſche
gen; genau die Zugaͤnge zu bewachen, wie Wiſſenſchaft Belohnung ſucht, und ſie auf den Platz im Staate zu fuͤhren, wo Wirkſamkeit ihre ſchoͤnſte Be⸗ lohnung iſt, und wo ihr Gutes ſich auf alle benachbarte Staͤnde fortbreitet. Trajan und Guſtav Adolph waren nicht gelehrt, ſie trugen aber zur Aufnahme wahrer Wiſſenſchaft mehr bei, als vielleicht Hadriau und Chriſtine; ſie wußten ſie anzuwenden, zu ſchaͤtzen, zu gebrauchen.—
Herder— vom Einfluß der Wiſſenſchaft auf die Regierung
Gund umgekehrt.
*) Der Staat ſcheint am gluͤcklichſten, in welchem jede W ſenſchaft einfache, praktiſche Weisheit iſt, und in welcher Ueppigkeit des Geiſtes wie des Lebens keinen Raum findet. Alle nichtige, muͤßige, zweckloſe Kenntniſſe ent⸗ kraͤften; ſie nehmen der wahren Wiſſenſchaft wie dem nuͤtzlichen Geſchaͤfte, Zeit und Raum weg, und der Staat wird nicht gluͤcklich durch Spekuliren, Taͤndeln, Schwätzen, Leſen; ſondern durch Arbeit und Ruhe, Einigkeit und Weisheit.
Herder vom Einfluß der Wiſſenſchaft ec, ec, 1


