Aufsatz 
Über die Nachteile des zu langen Verweilens im häuslichen Unterrichte bei den Vorzügen der öffentlichen Schulen
Entstehung
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die Anweiſung zu einem ehrbaren Leben doch wichtiger ſcheinen als die, welche zu noch ſo großen Kenntniſſen fuͤhrt.»

Wir wollen aber hiergegen zuvoͤrderſt fragen: wie kann die haͤusliche Er⸗ ziehung jenen gefaͤhrlichen Umgang mit rohen Knaben und Erwachſenen ganz ver⸗ meiden? Will ſie ihre Zoͤglinge etwa hinter Mauern verſchließen und von allem Umgange mit ihres Gleichen, bis ſie Mannesalter erreicht haben, entfernt halten? Die Jugend von aller Beruͤhrung mit der uͤbrigen Geſellſchaft und der dadurch moͤg lichen Verfuͤhrung abzuhalten, iſt gewiß nicht wohl moͤglich, oder wenigſtens, wo es moͤglich gemacht wuͤrde, von einer andern Seite wiederum deſto gefaͤhrlicher. Ein ſolches Einſiedlerleben kann unmoͤglich jugendliche Herzen zu vorſichtigen und weiſen Menſchen bilden, da es fuͤr den Umgang mit der Welt und fuͤr die oft verwickelten Verhaͤltniſſe des buͤrgerlichen Lebens nicht ſchon fruͤhe witzigt; es kann im Gegentheil den Verſtand nur abſtumpfen, und ſtatt kraͤftiger, gewandter Buͤrger oft nur laͤppiſche und aͤngſtliche Menſchen einſt auf dem Schauplatze der groͤßeren Welt auftreten laſſen. Wie oft aber iſt es der Fall, daß die Erfah⸗ rung ſelbſt uͤber die erſte Annahme jenes Vorwurfes den Stab bricht? Mußten wir leider nicht oft bemerken, daß die Jugend uͤble Beiſpiele von Haus mitbringt, daß ſie Untugenden hat, die ſie nie in der oͤffentlichen Schule gefaßt haben wuͤrde? Dieſe Klage iſt ebenſo alt als jener Vorwurf. Jener oͤfters angefuͤhrte Roͤmer ſagt hieruͤber beherzigungswerthe Worte, die ſich in aller Zeit beſtaͤtigen. Die Schulen,»ſagt er,« ſollen die Sitten verderben? Ja, zuweilen werden ſie da cverdorben; aber auch zu Haus. Denn auch zu Haus kann es nichtswuͤrdige Lehrmeiſter geben, und das Leben unter ſchlechtem Geſinde iſt nicht gefahrloſer zals unter ſchamloſen Freien. Moͤchten wir doch die Sitten unſerer Kinder nicht sſelbſt verderben! Ihre Kindheit ſchon zerſtoͤren wir mit unſeren Liebkoſungen. Jene weichliche Erziehung vernichtet ſchon alle Kraͤfte des Leibes und der Seele ein ihnen. Wir freuen uns uͤber ihre frechen Reden und belohnen ſie wohl da⸗

sfuͤr mit Lachen und Kuͤſſen. Es iſt kein Wunder: wir lehren ſie es ja, von uns 3*