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und den unreifen Zoͤgling fuͤr die Hochſchule in der kuͤrzeſten Zeit noch reif zu machen. Im gluͤcklichſten Falle, wenn ausgezeichnete Faͤhigkeiten ſich mit gro⸗ ßem, eigen angeſporntem Fleiße vereinigen, und ein zweckmaͤßiger Nebenun⸗ terricht das Luͤckenhafte der fruͤheren Lehre moͤglichſt ausfuͤllt, geraͤth das gefaͤhr⸗ liche Spiel noch wohl, wenn gleich auch ſo, doch in gewiſſer Ruͤckſicht nur ober⸗ flaͤchliche Kenntniß in den ſchnell dahin ſchwindenden Schuljahren errungen wird. Wo aber dieſe Eigenſchaften fehlen, was vermag da die Schule, wenn nicht der Lehr⸗Curſus harmoniſch, von der unterſten Stufe auf, neu begonnen wird, wo⸗ zu aber bald dem Stolze oder der vorgefaßten Meinung der Eltern, bald dem an Alter zu weit vorgeruͤckten Zoͤglinge der Muth fehlt, und wobei am Ende von beiden die Einrichtung der oͤffentlichen Schule nur angeklagt wird, weil hier ſo viele Schwierigkeiten zu uͤberwinden aufgelegt ſeyen.— Ebenſo haͤufig fällt die Wahl, wenn Eltern ſich nach fremder Huͤlfe fuͤr den Unterricht ihrer Kinder umſehen muͤſſen, auf ſogenannte Hauslehrer. So viel Stimmen ſich auch in den neueren Zeiten fuͤr und gegen dieſe erhoben haben, ſo leiſten ſie doch un⸗ ſtreitig fuͤr den beabſichtigten Zweck ungleich mehr als jene Erſteren, wenn an⸗ ders die Wahl gluͤcklich iſt. Hier iſt der Unterreeht wenigſtens nicht zufaͤllige Ne⸗ benbeſtimmung, ſondern Hauptbeſchaͤftigung des Lehrers; auch iſt zu erwarten, daß dieſer, gewoͤhnlich Theolog oder Philolog ſeinem Fache nach, mit den Grundſaͤtzen der Paͤdagogik und der dem Zeitgeiſte entſprechenden Lehrweiſe mehr vertraut iſt, ja vielleicht auch die Gruͤndung ſeines guten Rufes oder die eigne Fortbildung in dem naͤmlichen Geſchaͤfte fuͤr ſich bezweckt. Aber iſt mit dieſer Grundlage, mit dieſem Zwecke die richtige Wirkſamkeit zum Lehrberufe auch ſchon vollkommen ausgebildet und vorhanden? Macht der angehende Lehrer nicht auch erſt ſeine Verſuche, ſeine erſten Proben? Und geſetzt, er waͤre ganz fuͤr ſolches Lehramt geſchaffen, ſo bedarf er ja doch erſt laͤngere Zeit, um in ſeinem Be⸗ rufskreiſe durch Thaͤtigkeit, durch den unmittelbaren Umgang mit der Jugend ſich die nothige Kenntniß der Behandlungsart fuͤr die noch unentwickelten Gei⸗


