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Aber in dieſen wenigen Zuͤgen ſehen wir auch die Lichtſeite der Privat⸗Er⸗ ziehung bezeichnet. Denn wie vielen Eltern des mittleren und hoͤheren Standes bleibt ſtets die Gelegenheit, wenn auch die Gabe vorhanden iſt, ſo auf die Bil⸗ dung ihrer Kinder einzuwirken! Bei wie vielen finden wir aber auch nicht ein⸗ mal Ruͤckſicht auf ſolche Erziehungsgrundſaͤtze, ſelbſt in den hoͤheren Staͤnden, und wo immer die nöthige Harmonie? Wie vielen Vaͤtern fehlt es unter dem Drange ihrer Geſchaͤfte an Zeit, wie vielen Muͤttern an jenem unterrichtenden Sinne, an jenem beſtimmten Willen fuͤr die geiſtige Pflege ihrer Kinder? Was bleibt ihnen unter ſolchen Umſtaͤnden anders uͤbrig, als fremde Huͤlfe zu ſuchen? Und wenn auch die Eltern gemeinſchaftlich das Gemuͤth und die Sitten der Kinder„urch ihren Einfluß laͤnger zu bilden verdienten; wie ſoll ſpaͤter fuͤr den wiſſenſchaftlichen Unterricht und zwar, nach den Forderungen der Zeit, fuͤr den vielſeitigen harmoniſchen in dieſer Art gehoͤrig geſorgt werden? Welche Hin⸗ derniſſe ſtellen ſich in dieſer Ruͤckſicht, beſonders fuͤr die kuͤnftig Studirenden, entgegen! Die Eltern nehmen da, wo keine Schule iſt, oft und gewoͤhnlich ihre Zuflucht zu einem Manne ihres Ortes, von dem ſie die noͤthigen Schulkenntniſſe vorausſetzen. Mag nun dieſer ſich neben ſeinen Berufsgeſchaͤften und andern ſtoͤrenden Verhäͤltniſſen dem Geſchaͤfte noch ſo eifrig unterziehen; ſolcher Unter⸗ richt bleibt fuͤr ihn immer nur Nebenſache. Nur einige wenige Lehrgegenſtaͤnde, welche bald die Laune der Eltern, bald die Lieblingsneigung des Unterrichtenden beſtimmt, koͤnnen vorgenommen werden. Die ſo duͤrftig berathene Jugend, welche hierin nicht zu urtheilen weiß, waͤchſt in ſorgloſer Zufriedenheit bei man⸗ gelhafter Lehrweiſe oder einſeitigen Richtung des Unterrichts heran, bis ſie ſelbſt, oder die Eltern durch einen Zufall, oft auch nur durch Pruͤfungen und Vergleichungen aufgeſchreckt, jetzt auf einmal anders beſtimmt werden. Mit gro⸗ ßer Eile ſchreitet man nun zum oͤffentlichen Unterrichte, welchem die ſchwierige Aufgabe zufaͤllt, veraltete Fehler wieder gut zu machen, und dabei das wenige bereits Erlernte ſo hoch anzurechnen als moͤglich, alle Luͤcken ſchnell auszufuͤllen


