Aufsatz 
Über die Bedeutung eines reinen Natursinnes, und dessen Einfluß auf Geist und Herz der Jugend
Entstehung
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Dichtung, der hoͤheren Wiſſenſchaft und ſelbſt der tieferen Entwickelung der Sprache nennen, jene redenden Zeugen eines ewigen Geiſtes im Menſchen; woher ſind die reinen Zuͤge ihrer Geſtaltung verſammelt, als aus dem Reiche der allzerſtreuten Schoͤnheit und Reize, aus dem Bluͤthenreiche der Natur! Was in dem Knaben den kuͤnftigen Begeiſterten, was in ihm den Kuͤnſtler und Bildner, was den tiefen Meiſter der Rede in Sinn und Form ausbildet, das giebt ein Auge, ein Gefuͤhl fuͤr den reinen Sinn der Natur. Darum verlangen wir von der Kunſt, daß ſie dem Geleite der vollkommnen Natur getreu bleibe, und muͤſſen auch ſo die Natur betrachten, daß wir das Vor⸗ bild der Kunſt in ihr gewahren. Die tiefe Erfaſſung der Natur iſt wenig⸗ ſte:s die eine Haͤlfte zum Gebilde der Kunſt. So belauſchten jene Meiſter der Landſchaftsmahlerey bei Vollendung ihrer bewunderten Zauberſtuͤcke die bewunderten Phaſen der Natur; den ſcheidenden Abendblick, den erwachenden Morgenſchein uͤber Berge, uͤber thauige Thaͤler, uͤber weithin verlorne Fernen. So betrachtete ein Vernet, der in ſeinen Seeſtuͤcken ſo unuͤbertrefflich, ſo klar iſt, den Spiegel des Meeres; gab die Ruhe des Meeres, und gab die Stuͤrme; dort ſchauen wir das leichte Schaukeln der Wellen unter ſanft gleitenden Schiffen, in freundlichem Heiterſcheine; hier faͤhrt die brauſende Gewalt, finſter gehuͤllt, uͤber dem Abgrund, zerrt am Felſen wild ausdrohend das gewitterte Geſtraͤuche, wirft dort ein Schiff in verzweifeltem Treiben an die klippige Brandung. Denn der juͤgendliche Meiſter ging ſelbſt hinaus in den Sturm, ſah das Schuͤtten und Toben und die tief geſpaltenen Gewoͤlke.

Fuͤr den Sinn der Rede wie wichtig iſt da die Natur! Wie uner⸗ reichbar ſchoͤn ſind jene Gleichniſſe, in welchen der goͤttliche Stifter unſerer Religion ſeine Zuhoͤrer zu belehren und zu uͤberzeugen ſuchte! Ueberall auf die Natur hinweiſend, kleidete er die goͤttliche Wahrheit bald in die lieblich ſten Bilder der Natur, bald erlaͤuterte er ſie durch die Betrachtung ihrer