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fertig mit Fragen. Vater oder Mutter oder wer du ſeyſt, Freund der auf⸗ bluͤhenden Menſchheit! reiche der jungen, ſo duͤrſtenden Seele in guͤnſtigen Augenblicken, was ihr frommen kann: lehre das Kind einen Zweck, eine Urſache zu fuͤhlen; fuͤhre es von dem Zwecke, von der Urſache auch wohl zu dem Urheber, zu dem Zuſammenhange ſeines Planes!— So wird der Um⸗ gang mit den Erſcheinungen der Natur eine Gewohnheit freundlichen Lebens, beſonnener Luſt, zu welcher der Juͤngling und Mann ſich noch gerne zuruͤck⸗ wende, wenn auch der Beruf nicht dahin fuͤhrt. Man ſammelt den Geiſt an jenen Gebilden, an denen Ordnung und Zweck, Schoͤnheit und Einklang in ſchoͤpferiſcher Vollkommenheit ſich entfalten; dagegen Fehler und Maͤngel und Hintenanbleiben menſchlicher Werke hier zugleich ſichtbar werden. Das mit der Allmacht befreundete Gemuͤth erblickt dabey nichts aus Vorzug oder aus Vor⸗ urtheil; mit gleicher Liebe verweilt es bey den Rieſengeſtalten der Schoͤpfung und wieder bey dem kleinſten Mooſe, bey dem geheimſten Geſteine. Die Be⸗ trachtung, der bewundernde Gedanke haͤlt das Eine mit dem Andern gleich groß. Daher auch jene nie zu erſchoͤpfende Mannigfaltigkeit der Verglei⸗ chung, des Forſchens und des geiſtigen Genuſſes bey der Unterſuchung der Natur. Die Begierde des Wiſſens wird immer lebhafter aufgeregt, je mehr ſie ſich hingiebt. Das Forſchen des ausgezeichnetſten Denkers kann nicht da⸗ mit zu Ende kommen, die Geſetze des Schoͤpfers aus ſeinen Werken ganz zu ergruͤnden. Je unruhiger ſeine Spannung hinzutritt, je uͤberhaͤufter wird ſie weiſe Regel, Geſetz, Ordnung, Zweckmaͤßigkeit, Schoͤnheit, Zuſammenhang und durch dieſes Alles Vollendung an den Dingen der Schoͤpferhand er⸗ blicken. Man känn ſagen, daß die Nuͤckanwendung dieſes Bildes auf das Leben ſo fort die Quelle jenes hoͤheren Geiſtes wird, der nach dem Vor⸗ bilde der großen Natur ſeinen Werken die Eigenſchaften moͤglichſter Vollen⸗ dung und Zweckmaͤßigkeit einzuhauchen ſich beſtrebt.


