— 4—
Vorbereitung zu machen, iſt gewiß nicht ungeeignete Sache. Beobachter ha⸗ ben es ſchon ausgeſprochen, daß es wichtig ſey, zu bemerken, wie die erſten Begriffe fuͤr das, was das Maͤchtige, Tiefe und Reine in dem Menſchen iſt, mit der erſten Entwickelung der Faͤhigkeiten ihren Aufſchwung nehmen; wie gewiſſe in der Jugend erhaltene Lehren ſich nie verwiſchen*) und ihre Wirkſamkeit, wir moͤgen ſie Glauben, Kraft, Muth oder Beharrlichkeit nen⸗ nen, in den Augenblicken nicht verlieren, wo es darauf ankommt, bey den Laſten und Muͤhen, bey dem Wachen und Thun, welches die buͤrgerliche Ge⸗ ſellſchaft und die Ruͤckſicht auf ein allgemeines Wohl auflegt, nach ſicheren Grundſaͤtzen zu handeln. Es kann nicht gelaͤugnet werden, daß der Menſch da ſchon Großes empfangen muß, wo die Vernunft mit ihren Triebkraͤften erſt erwacht. Allgemeine Kenntniſſe des Guten und Schaͤdlichen werden da der Seele eingepraͤgt; im erſten Gefuͤhle ſeiner ſelbſt erfaßt das jugendliche Alter den begeiſternden, fuͤr alle Zeit jugendlichen Glanz heller, uneigen⸗ nuͤtziger Grundſaͤtze, die auch bey jugendlichen Voͤlkern, beſonders des Alter⸗ thums, von jeher den Weg bahnten, ihre Vorſaͤtze ſtark, ihre Tugenden glaͤn⸗ zend machten. Laͤßt ſich aber hierbey eine groͤßere Lehrerin denken als die Erweckung des Sinnes fuͤr Natur? Iſt es nicht noch das unterſcheidende Merkmal ausgezeichneter Maͤnner aller Zeiten, jener unwillkuͤhrliche Hang, die Gegenſtaͤnde und Veraͤnderungen der uns umgebenden Schoͤpfung mit Aufmerkſamkeit, mit Forſchung zu betrachten und ſie zu einer unerſchoͤpf⸗ lichen Quelle der Belehrung, des Glaubens und der Bewunderung zu ma⸗ chen? Was dem groͤßten, dem goͤttlichen Lehrer der Menſchheit die herzer⸗
*) Altius descendunt praeoepta, quae primis imprimuntur aetatibus et na- turà tenacissimi sumus eorum, quae pueri percipimus: ut sapor, quo
nova vasa imbuuntur, durat. Quinetil. Lib. I. Cap. 2.


