Das hoͤchſte Ziel aller menſchlichen Bildung iſt, wie die alte und die neue Zeit ſagt, ſittliche Guͤte. Man verſteht darunter das, was die Annaͤhe⸗ rung unſeres Geiſtes und unſeres Herzens zu dem Geiſte und zu dem Sinne ausmacht, welchen wir als den allgemein wirkenden, ſchoͤpferiſchen bemerken. Tief in die menſchliche Seele gepflanzt muß demnach eine Anlage ſeyn, welche dieſen Geiſt erfaßt und ſich als Vorbild erſieht.
Es ſind indeſſen zwey Wagſchalen, aus welchen die Geſchichte ihre An⸗ ſicht von dieſem Geiſte erhalten hat. Die eine enthaͤlt jenes Geſetz, das aus idealer Quelle, im Geheimniß den Voͤlkern vorausgegeben wurde, oder als Vorbote ihrer Bluͤthe uͤber der Entwickelung zu jedem einzelnen nieder⸗ ſtieg; die andere iſt jene ſtuͤndlich vorgebildete, die wir den Einklang der Natur mit dem Leben nennen duͤrfen.
Es ſey mir vergoͤnnt, von dieſer letzteren Bildungsquelle hier zu reden, davon zu handeln, daß die Erkenntniß, die Befreundung der Natur eine Rathgeberin fuͤr unſeren Geiſt, eine Bildnerin fuͤr das Herz ſey.
Daß ich dieſen Gegenſtand zu einer Betrachtung waͤhle, die dem Lehr⸗ berufe fuͤr die erſten Jugendjahre ſich ſchon empfehlen ſoll, wird mir leicht vergeben werden. In den erſten Jahren der Bildung mit den erſten Befeſti⸗ gungsmitteln, die der Bildung zur Stuͤtze dienen, ſchon den Anfang, die


