Aufsatz 
Zur Naturgeschichte der Umgegend von Wiesbaden / von Sandberger
Entstehung
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müssen geglaubt. Dennoch ist nicht zu bezweifeln: Das Wasser ist das wichtigste und nützlichste Mineral, das es auf Erden gibt. Eisen, Gold und Edelsteine ver- schwinden dagegen und treten bescheidentlich in den Hintergrund.

Im gewöhnlichen Treiben und Verkehr der Menschen wird aber sein hoher Werth nicht immer gebührend erwogen, noch weit seltener wird er anerkannt.

Das Wasser ist gerade dasjenige Mineral, welches zwischen der übrigen unorganischen Natur und den beiden organischen Reichen den Vermittler ausmacht. Was wäre Pflanze und Thier, was wäre der Mensch ohne Wasser?

Es ist hier nicht der Ort, speciell zu erweisen, warum man das Wasser dem Mine- ralreiche mit Fug und Recht beizählt. Doch darf ich einerseits nicht verschweigen, dass es noch Mineralogen giebt, welche gegen die Einreihung desselben unter die übrigen Minera- lien Einsprache thun; anderscits führe ich einige Fachmänner von Ruf an, welche es auf- nehmen: Glocker, Hausmann, Kenngott, Mohs, Naumann und Quenstedt.

Die Krystallgestalten des Wassers als Schnee, die dendritischen moos- und baumför- migen Bildungen der Eisblumen an unseren winterlichen Fenstern, die Eisgebirgsmassen der Polarmeere, die Gletscher der Alpengebirge sind allgemein bekannt, sind aber gewiss mit Recht für die mineralische Natur des Wassers anzuführen.

Auch kann ich mir schliesslich im Vorbeigehen nicht versagen, noch ein paar inte- ressante und sehr beachtenswerthe Litteraturbelege ausdrücklich zu erwähnen, welche hier- her gehören und nicht nach Gebühr gewürdigt worden sind:

1) Zwei Abhandlungen von Joh. Carl Wilke über die Schneegestalten und deren Bil- dung, mit Kupfertafeln. Schwedische Academie der Wissenschaften, Verhandlungen von 1761. Deutsche Ausgabe von Prof. Abr. Gotth. Kästner, Band 23. S. 3 und 89.(1764.)

2) Prof. Wilh. Theod. Gümbel: Untersuchungen mikroskopischer Krystallisation. Denkschrift der Pollichia für 1851. Landau 1852. S. 16 ff. mit Abbildungen. Dann vergleichsweise nachzusehen:

3) Scheuchzeri Herbarium Diluvianum(1709), Tab. VI, VII und VIII.

4) Liebknecht; Hassia subterranea(1730), Tab. VIII.

Die Quellen erhalten ihre Speisung bekanntlich vom Atmosphärenwasser: Regen, Thau, Schnee und Graupel. Dieses atmosphärische Wasser ist, wie gleichfalls Jedermann weiss, fast chemisch reines Wasserstoffoxyd.

Das Wasser, welches getrunken und in der Haushaltung gebraucht wird, ist hingegen nie mehr so rein, es hat anderweitige Beimischungen. Es kommt aus Quellen und Brunnen meist mit einer etwas anderen Wärme hervor, als der Temperaturgrad der um- gebenden Luft des Ortes ist, wo es ausfliesst. Die anderweitigen Bestandtheile und die verschiedene Temperatur stammt von dem Boden, den das Wasser durchlaufen hat. In dem Innern des Erdkörpers(das beweisen die Vulkane augenscheinlich) herrscht eine sehr grosse Hitze. Je tiefer die Atmosphärengewässer abwürts gelangt waren, ehe sie wieder an die Erdoberfläche als Quellen zurückkehren, eine desto höhere Temperatur brin- gen sie von dort mit, desto mehr in dem stärker oder geringer erwärmtem Wasser auflös- liche chemische Bestandtheile haben sie dem Boden, den sie durchspülten, abgewonnen.