3
Die schieferartigen Gesteine des Taunus heissen jetzt Sericitschiefer(ehemals mit Talkschiefer verwechselt). Es sind metamorphische rheinische„Grauwacken“, oder besser Spiriferensandsteine. Man rechnet sie zu dem Rheinischen, oder wie die Engländer sagen, Devonischen Schichtensysteme.(Vgl. Sandb. Verstein. des Rhein. Schichtensystemes in Nassau, S. 486.) Bei Wiesbaden und im eigentlichen Taunus, dessen überrheinische Fortsetzung der Hunsrück ist, sind in diesen metamorphischen Bil- dungen bisher nirgends Versteinerungen aufgefunden worden.
Die Höhen(als Platte, Rentmauer, Schläferskopf am Chausséehause u. s. w.) zeigen deutlich eine Ueberlagerung durch Quarzit-Gestein.(Vgl. Rbein. Schichtensyst. S. 491 u. a. a. O.) Der Quarzit wird als ordinärer Pflasterstein viel verwendet: die Steine vom Schläferskopf.
Das Sericitgestein ist mehr oder weniger von Quar durchsetzt und wahrhaft durch- woben, was bei seinen vielfachen Wellenbiegungen und Faltungen oft bis in die feinsten Schichtabsonderungen verfolgt werden kann. Quarzbänder von ⅛ Zoll Dicke kommen oft mit Sericitschiefer-Wellen in regelmässiger Schichtung bei Aufschlüssen von Bruch- steinen zur Erscheinung, während in dem compakteren, aber leicht verwitterbaren Sericit- massengesteine, Quarzkämme von 30 und mehr Fuss Dicke auftreten, welche nach Abspülung des verwitterten Nachbargesteines als lange natürliche Wälle oder Mauern(z. B.„Grauer Stein“ von Georgenborn nach Frauenstein) stehen geblieben sind.
Zerknickte und umgebogene Sericitschiefermassen sind im Tennelbachthale bei Son- nenberg und in dem Basaltsteinbruche bei Naurod deutlich zu beobachten.
Buntkupfererz(und Malachitanflüge), Brauneisensteinausscheidungen, sogar Graubraun- steinlager geringerer Mächtigkeit und nicht immer von besonderer Qualität findet man in der Umgebung Wiesbadens.(Nerothal zur Platte hin, zumal aber am Schläferskopfe, Naurod und Frauenstein.) So stellt sich also das Sericitgestein auch als eine Erz-füh- rende Gesteinsschicht dar. Die Quarze haben trotz fleissigen Suchens und angestellter Zerkleinerung beträchtlicher Quantitäten bei uns keinen Goldgehalt gezeigt, wie ein solcher unter ähnlichen Verhältnissen in anderen Ländern sich oft für die Gewinnung recht loh- nend herausgestellt hatte.(Vgl. R. J. Murchison Siluria nebst Anhang über die Ver- breitung und das Vorkommen des Goldes auf der Erde pag. 456.)
Im Sericitgesteine bewirkt der Quarz vielfach knotige und flaserige Schieferung und sehr irreguläre Absonderung, sodass ungeübte Geognosten im Messen des Streichens und Fallens der Schichten äusserst aufmerksam zu Werke gehen müssen, um keine Irrungen durch„falsche Schichtungen“ zu begehen. Nach öfterer Untersuchung ergab das Streichen durchschnittlich hora 4 ⅛ aus WNW in 080, das Einfallen vorherrschend nördlich 48 bis 500, hin und wider sogar ausnahmsweise 90⁰.(Sonnenberger Burgberg.)
Eine schöne Sattelbildung, an welcher der Quarz gleichfalls wesentlichen Antheil mimmt, siecht man jenseits Dotzheim unten am Berge, wo man nach dem Nürnberger Hofe geht. Dieser ziemlich bedeutende Sattel hat bei wenig abweichendem Streichen (hora 5) einerseits ein Fallen mit 65⁰, and erseits mit 600.
Streichen des Quarzits= hora 2 ⅛ SW in NO;— Fallen 60 in 80.
Ein nicht ganz unbeträchtlicher Theil der Stadt Wiesbaden selbst steht auf einem an das Taunusgebirge anlehnenden Hügel tertiären Sandsteines, welcher mit Sand-
1*½


