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ein Ausfluß ſeines innerſten Weſens war. Daraus erklärt ſich, daß er mit jedem bedeutenderen Werke nicht bloß dem Publikum ein Geſchenk ſeiner Wiſſenſchaft, ſondern in der Regel auch dieſem oder jenem Freunde eine Gabe ſeines Herzens darbot. So widmete er die erſte ſelbſtſtän⸗ dige Schrift über Ariſtophanes ſeinem Jugendlehrer König, ſo die oben⸗ erwähnte Ausgabe Lucians Eichhoff in Weilburg, die Schrift über die lateiniſchen Handſchriften der Marburger Bibliothek ſeinen gelehrten Freunden und Mitbürgern Kloß und Joh. Frid. Böhmer, die Geſchichte und das Syſtem der platoniſchen Philoſophie Kreuzer in Heidelberg, ſeinem Myſtagogen in die Hallen der Wiſſenſchaft, wie er ihn gern nannte, die letzte Ausgabe ſeiner Staatsalterthümer ſeinen Marburger Freunden Platner, Rubino und Cäſar. Uebergehe ich Anderes der Art, ſo geſchieht es, um nur noch mit einem Wort der Ausgabe des Mar⸗ tianus Capella von Kopp zu gedenken, die er mit wirklich rührender Pietät gegen den Verſtorbenen übernommen und ausgearbeitet hatte und dann dem Schwiegerſohn deſſelben, Alexander Dahmen, darbietet. Und währendeer dieſem ſein Beileid über den Tod Kopp's ausſpricht, bricht auch, ſo wenig⸗Hermann ſonſt ſein Gefühl auf der Zunge trug, der Schmerz über den beinahe gleichzeitig erfolgten Verluſt ſeiner erſten Gattin hervor in den Worten: ipse domesticis calamitatibus conflicta- tus sum, fere eodem tempore, quo tu recens ereptum socerum luge- bas, florentissima uxore intempestiva morte amissa.—— Aber was ſoll ich nach allem dieſem ſchließlich noch von Hermanns Charakter als Menſch ſagen? Seine innige Liebe zu ſeiner Familie ſpricht ſich ſchon in dem früher erwähnten Verhältniß zu ſeiner bejahrten Mutter, ſowie in der eben geſchilderten Trauer um die erſte Gattin, endlich am er⸗ ſchütterndſten in ſeinem eigenen Hingang aus, der nach dem Tode ſei⸗ ner zweiten Gattin, man kann- wohl ſagen, an gebrochenem Herzen erfolgte. Seine Pflichttreue, ſeine Hingabe auch an nicht wiſſenſchaft⸗ liche Anforderungen ſeines Amtes,3gegen die oft ſeine Neigung zurück⸗ treten mußte, iſt ebenfalls zur Genügeß aus der vorangehenden Schil⸗ derung ſeines Wirkens zu erkennen. Selbſt ſeiner Schwäche, jener Reiz⸗ barkeit, die ihm namentlich in Göttingen, wenn auch nur vorübergehend, das Verhältniß zu einzelnen Collegen trübte, haben wir ſchon gedacht, und zugleich erwähnt, daß er ſie durch ſeinen natürlichen Edelſinn und ſeine Charakterſtärke bekämpft habe. Aber was ihm eben dieſe Kraft gab, in dem Kampf mit ſich ſelbſt nie zu unterliegen, ſondern immer der Erſte wieder die Hand zur Verſöhnung zu bieten, was ihn zu allen


