Aufsatz 
Gedächtnisrede auf K. Fr. Hermann, gehalten am 11. April 1862 bei der Progressionsfeierlichkeit des Gymnasiums zu Frankfurt a.M
Entstehung
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den vorher genannten Tugenden ſtärkte, das haben wir bis jetzt noch nicht erwähnt. Es war dieß die tief religiöſe, echt chriſtliche Geſinnung, die ihn belebte. Daher ſeine treue Liebe und Fürſorge für ſeine Fa⸗ milie, daher ſeine und der Seinigen Mildthätigkeit gegen die Armen, die nach dem Zeugniß eines ehemaligen Collegen z. B. in Marburg noch heute in geſegnetem Andenken fortlebt, daher ſeine Pflichttreue nach jeder Richtung, daher endlich ſeine Verſöhnlichkeit bei etwaigen Zerwürf⸗ niſſen. Dieſe echt chriſtliche Frömmigkeit hatte er einſt als Knabe aus dem elterlichen Hauſe als Mitgabe für's Leben empfangen, ſie hatte ihn ſicher durch alle Gefahren des Jünglingsalters durchgeführt, ſie hatte ihn unter allen Mühen und Kämpfen des Mannesalters geſtärkt und aufrecht erhalten und ſie war es endlich, die ihn vermochte, vor ſeinem Hinſcheiden mit Ruhe für ſeine Hinterbliebenen zu ſorgen und mit rührender Demuth von ſeinen Freunden und Amtsgenoſſen Abſchied zu nehmen. Die Worte, mit denen ein von ihm beauftragter Freund dieſelben ſchriftlich für Alles, was Hermann in Worten und Gedanken gegen ſie gefehlt, aufrichtig um Verzeihung bittet, ſind wahrhaft er⸗ hebend und ich kann mir nicht verſagen, zum Schluß dieſer Lebensſkizze wenigſtens die Schlußworte jenes Schreibens unverändert beizuſetzen. Sie lauten folgendermaßen:Ich brauche nicht zu verſichern, wie tief ergreifend dieſes Bekennen und Bitten des edlen und verdienſtvollen Todten war, der doch von ſeinen Collegen die Vergebung keiner wei⸗ tern Schuld zu begehren hat, als wir Andere, ein jeder nach ſeinem Maße, auch. Der friedeſuchende und demüthige Sinn aber, den der durch Gaben und Leiſtungen ſo hervorragende Mann auf ſeinem Todten⸗ bette offenbart, wird uns nicht bloß das würdige Bild ſei⸗ ner Perſönlichkeit verklären, ſondern auch mit der Kraft des Vorbildes auf uns wirken. Das walte Gott. Dixi.

Frankfurt a. M. H. Rumpf.