Aufsatz 
Gedächtnisrede auf K. Fr. Hermann, gehalten am 11. April 1862 bei der Progressionsfeierlichkeit des Gymnasiums zu Frankfurt a.M
Entstehung
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von Brutus, ferner die über die kritiſche Grundlage für Perſius und Juvenal, ſo endlich die Abhandlung über Plato's ſchriftſtelleriſche Mo⸗ tive, deren Grundanſicht über einen durch die platoniſchen Schriften durchſcheinenden Entwicklungsgang des Verfaſſers ſelbſt noch in der neueſten Zeit in Ueberwegs Preisſchrift über Echtheit und Zeitfolge der platoniſchen Schriften die verdiente Anerkennung gefunden hat. War mir's ſchon bis dahin nur möglich zu referiren, ſtatt zu analyſiren, ſo gilt dieß natürlich noch in weit höherem Grade von Hermanns größeren Werken. Dahin gehören, nach der Zeit ihres Erſcheinens geordnet, außer der oben genannten Jugendſchrift und der Ausgabe Lucians vor allen die zuerſt 1831 erſchienenen griechiſchen Staatsalterthümer, dann die große Ausgabe des Martianus Capella aus dem Nachlaß von Kopp, die zweite Auflage der Staatsalterthümer, der erſte Band des ſchon Jahre lang vorbereiteten Werks über Geſchichte und Syſtem der plato⸗ niſchen Philoſophie, die dritte Auflage der Staatsalterthümer, die gottes⸗ dienſtlichen Alterthümer, die Privatalterthümer. Ferner die von 1851 bis 1853 beſorgte Textausgabe der ſämmtlichen platoniſchen Werke und der 1854 erſchienene Text des Perſius und Juvenal. Daran reihete ſich dann noch eine neue Bearbeitung des Bekker'ſchen Charikles und endlich als letztes Werk aus Hermanns eigener Hand die vierte Auf⸗ lage der griechiſchen Staatsalterthümer, eigentlich ein neues Werk und, wie ſein College von Leutſch es benennt, ein erſtaunenswerthes Monu⸗ ment der ausgebreitetſten, wohlgeordneten Beleſenheit. Auch die nach Hermanns Tode von Guſtav Schmidt nach dem faſt vollſtändig vor⸗ liegenden Manuſcript herausgegebene Culturgeſchichte der Griechen und Römer darf in der Reihe ſeiner größern Werke um ſo weniger über⸗ gangen werden, als ſie nächſt den Staatsalterthümern das wichtigſte Zeugniß für die Hermann in ſeinen Schriften, wie in ſeinen Vor⸗ leſungen eigenthümliche Auffaſſung des Alterthums ablegt. Zwar zeigt ſich in allen ſeinen Schriften außer der umfaſſendſten Gelehrſamkeit, der ſorgfältigſten Forſchung und der daraus hervorgehenden völligen Beherrſchung ſeines Gegenſtandes auch die ihm eigenthümliche ſtreng geſchichtliche Auffaſſung, die ihn jede ſprachliche Erſcheinung im Lichte ihrer Zeit, jede Thatſache in ihrem hiſtoriſchen Zuſammenhang betrach⸗ ten ließ. Am glänzendſten aber tritt dieſe Eigenſchaft natürlich wegen des Gegenſtandes, den ſie behandeln, in den beiden ebengenannten Werken zu Tage. In den griechiſchen Staatsalterthümern gab Her⸗ mann zuerſt einen klaren, durch eigene Quellenforſchung begründeten