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Vorleſungen über griechiſche und römiſche Culturgeſchichte, ſowie aus vielen ſeiner Vorleſungsanzeigen hervor, die, wie z. B. die Einleitung zu Plato's Phädon oder die Abhandlung über die Ankläger des So⸗ krates, ſeine Zuhörer nicht bloß vorläufig in die betreffende Literatur einführen, ſondern ihnen auch die wichtigſten Geſichtspunkte von vorn⸗ herein klar ſtellen ſollten. Zugleich liefern dieſe Gelegenheitsſchriften einen fortlaufenden Beweis, mit welch treuem Fleiß Hermann das Ma⸗ terial zu ſeinen Vorleſungen vorher ſammelte und mit welcher Sicher⸗ heit er es beherrſchte. Aber über dieſer Thätigkeit im Einzelnen ließ er es nicht an Vielſeitigkeit im Ganzen fehlen. Nach dem ſchon in Marburg entworfenen und ſeitdem mit Ausnahme eines Semeſters durchgeführten Cyklus ſeiner Vorträge über die verſchiedenſten Zweige der Alterthumswiſſenſchaft las er in jedem Semeſter 15—19, 1854 ſo⸗ gar 21 Stunden die Woche und kehrte dabei in den exegetiſchen Vor⸗ leſungen erſt nach 4 oder 5, in den hiſtoriſchen erſt nach 6 Semeſtern zu derſelben Vorleſung zurück. Wer dabei die Zeit in Anſchlag bringt, die er theils bei Berathung von Univerſitätsangelegenheiten, theils bei Bibliotheks⸗ und Prüfungsgeſchäften, endlich für ſeine ſchriftſtelleriſche Thätigkeit aufwenden mußte, wird ebenſo die erſtaunliche Arbeitskraft des Mannes bewundern, als die Liebe zu ſeinen Schülern, wenn dieſe ihm der Wahrheit gemäß bezeugen, daß er ſtets ſeine beſte Zeit und Kraft zu ihrem Nutzen verwendet habe.
Wenn Hermann mitunter bedauerte, nicht in dem Maße, wie er es wünſche, zur Ausarbeitung größerer Werke zu kommen, ſo hätte dafür ſchon der Gedanke Troſt bieten können, daß er ſich um ſo viel mehr ſeinen Schülern gewidmet und durch das lebendige Wort der Wiſſenſchaft gewiß in höherem Grade genützt habe, als es durch Schrift überhaupt möglich iſt. Allein ſeine ſchriftſtelleriſche Wirkſamkeit erſchien auch gerade nur ihm ſelber nicht ausgedehnt genug. Seine Fachge⸗ noſſen bewunderten vielmehr einmüthig ebenſowohl die Vielſeitigkeit, als die Tüchtigkeit ſeiner Leiſtungen auf dieſem Gebiet. In erſterer Beziehung muß ich mir freilich verſagen, aus den mehr als hundert Einzelſchriften auch nur je ein Beiſpiel für die verſchiedenen Fächer namhaft zu machen. Was aber die Bedeutung dieſer Schriften für die Wiſſenſchaft angeht, ſo darf ich nicht verſchweigen, daß manche derſel⸗ beu für ihren Gegenſtand einen ganz neuen Geſichtspunkt eröffneten und zum Theil bleibende Reſultate erzielten. So die Schriften über griechiſche Monatskunde, ſo die über die Ciceroniſchen Briefe an und


